Mein Austauschjahr

Schüleraustausch, das heißt viel hinuntergeschluckter Ärger, Tränen, wutkochend aber stillschweigend Dinge einfach hinnehmen müssen, egal, wie sehr sie einem nicht passen … aber auch wunderbare Erfahrungen, Freundschaften, die teils noch lange halten, und vielleicht sogar weitere Familien.
In Japan ist vor allem der Punkt „Dinge stillschweigend hinnehmen“ der, den deutsche Jugendliche, die sich für einen Austausch in das Land interessieren, nicht unterschätzen sollten– in Deutschland mag man mit sechzehn fast Erwachsen sein, in Japan ist man noch Kind, Punkt, und dementsprechendes Verhalten wird auch erwartet, egal, ob es jetzt auf Vorschriften seitens der (Gast-)Eltern und Lehrer oder um den Umgang mit anderen geht. Ich hatte einige Male Auseinandersetzungen mit Familien, Lehrern und Freunden wegen genau dieser Punkte, und habe wohl Glück gehabt, dass es nie um Ernsteres ging– Missachtung von Schulregeln z.B. war an meiner japanischen Schule ähnlich schwierig wie an meiner Deutschen, da sie einfach sehr liberal war, andernorts wäre ich vielleicht wegen meiner frischgestochenen Ohrlöcher ein paar Tage aus dem Unterricht geflogen.

Aber zum wann und wo.
Ich war 2002/2003 für zehn Monate an der 富田林高等学校 in Tondabayashi , Präf. Ōsaka, und so klischeebelastet der Spruch auch ist– die Zeit hat mein Leben verändert, zum Positiven hin. Ich bin in dem Jahr sehr gewachsen, und wenn ich dieses Alter auch nicht noch einmal durchmachen müssen möchte, ist es doch eine wunderbare Zeit gewesen, an die ich gern zurückdenke, trotz aller Tränen und aller Probleme, die ich hatte.

Mir waren von Anfang an fünf Gastfamilien zugeteilt worden, sodass ich ca. alle zwei Monate einen Umzug vor mir hatte. Von japanischen Behausungen habe ich dadurch so einiges kennengelernt –vom vierzig Jahre alten Land- bzw Bauernhaus, bei dem der Wind durch alle Ecken pfiff, die Wanne mit einem kleinen Brennofen beheizt wurde und die Toilette erst neuerdings an das Haus angeschlossen war, über ein mehrere hundert Jahre altes Stadthaus zu moderneren Stadthäusern im westlichen Stil. Und auch Lebensweise und die Art, miteinander umzugehen, unterscheidet sich von Familie zu Familie — eigentlich selbstverständlich, aber es geschieht immer wieder, das mir auch in Deutschland im Bezug auf Gewohnheiten von Freunden und ihren Familien ein „merkwürdig“ einfällt oder herausrutscht.

Meine Schule und Klasse blieben (abgesehen vom planmäßigen Klassenmischen im April, in dem ich von der ersten in die zweite Klasse der Oberschule versetzt wurde) das Jahr über gleich, und grade meine zweite Klasse war großartig. Ich hatte das Glück, Ende Juni auch an der Stufenfahrt nach Hokkaidō teilnehmen zu dürfen, und die vier Tage waren, trotz einsetzender „bald-muss-ich-hier-weg“-Traurigkeit, einfach nur toll.

–wird fortgesetzt–

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Responses

  1. hey, ich finde deinen eintrag wirkich toll. Ich möchte im nächsten jahr auch ein Austauschjahr nach Japan machen, dein Eintrag hat mir so ziemlich klar gemacht das nihct alles super klasse und extrem leicht ist, aber dass man sich sowas nihct entgehen lassen sollte. Meinermeinung nach gehört sowas zum erwachsenwerden dazu. Sie einfach mal alleine durchzuschlagen.
    Wie gesagt, super eintrag. =)
    lg Ari


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