Verfasst von: Billie | Di, 6 Januar, 2009

Prost Neujahr 2009!

新年あけましておめでとうございます, ein frohes neues Jahr!

Zu den christlichen Feiertagen kann ich nur sagen, dass ich (sogar dreimal) sehr schön und angenehm Weihnachten gefeiert habe, wenn auch nicht ganz so, wie man das von Deutschland vielleicht erwartet hätte.

Ich war über die japanischen Feiertage bei meiner zweiten Gastfamilie. Die T.s hatten mich eingeladen, mit ihnen お正月, Neujahr, zu verbringen, verbunden mit der Warnung, dass es nichts besonderes, sondern einfach nur „寝正月“ werden würde — 寝る heißt „schlafen“, grob könnte man das ganze als „verschlafenes Neujahr“ bezeichnen.

Also begab ich mich nach einigem Gewusel am Nachmittag des 29. nach Taishi. Der Hinweg war mit einigem Ärger verbunden: der Miniatur-Maulwurfkuchen, den ich in der Multifunktionsmikrowelle unserer winzigen I-House-Küche gebacken hatte, beschloss, dass die extra gekaufte Kuchentransportkiste zu dünnwändig war und machte einen Abgang auf die Straße. Glücklicherweise blieb er auf dem Plastiktablett und machte nicht die berüchtigte 180°-Marmeladenbrot-Drehung, sodass ich ihn mehr oder weniger retten konnte, aber die Form war hinüber, meine Hände voll Sahne, und ich hatte mich in der Zeit vertan, die ich vom I-House nach Tennōji brauche, vertan, was dazu führte, dass meine Gastschwester das Warten auf mich aufgab und etwas angenervt war. Als ob das nicht genug sei, fiel mir der Kuchen (mittlerweile war die Kiste in einen Pulli gewickelt und mit meinem Schal festgezurrt worden, damit der Kuchen ja nicht nochmal den Abgang aus der Schachtel wagt) in der Bahn kurz vor dem Ankunftsbahnhof nochmal hin — diesmal mit Überkopfdrehung, aber wenigstens konnte er nicht aus der Kiste, sodass keine hygienischen Bedenken entstanden. Ich war trotzdem ziemlich mit den Nerven am Ende und begrüßte meine Gastmutter am Bahnhof mit ziemlich unglücklichem Gesichtsausdruck– hab ihr wohl einen ziemlichen Schrecken eingejagt…

Der Kuchen musste zwar aus allen Ecken des Kartons gekratzt werden, war aber lecker, und eine nette Geschichte gibt’s auch ab.

Weiter geht’s hier. Weiterlesen…

Verfasst von: Billie | Sa, 13 Dezember, 2008

Lustige Sachen

Kein langer Eintrag, nur eine Feststellung:

Von Karasuma-Shijou (烏丸四条) bis zum Wohnheim brauche ich zu Fusz ziemlich genau zwei Stunden. Fuer etwas ueber acht Kilometer stetig bergan finde ich das gar nicht schlecht. Gleich im Anschluss:

Warum hat eine Stadt mit 1,6 Millionen Einwohner nach Mitternacht kein oeffentliches Verkehrssystem mehr? Dinge, die ich nie verstehen werde.

Und dann noch: RENT (weiter gefasst: Musical, noch weiter gefasst: Musik) ist eine Weltsprache.

Gestern abend war fast genug, um mich mit dem Rest der Woche zu versoehnen, auch, wenn ich heute morgen prompt verschlafen hab, mich um 11h mit Rika und ihrem Freund am Kinkakuji (金閣寺 „Goldener Tempel“, eigentlich Roku’onji 鹿苑寺) zu treffen — bin dann am Ryōanji 龍安寺 dazugestoszen. Der Tempel ist auf jeden Fall sehenswert, allein schon wegen des riesigen Teichs … der Steingarten, der den Tempel beruehmt gemacht hat (Weltkulturerbe und so) ist aber auch beeindruckend. Fuenfzehn Felsen, von denen man offenbar nie alle auf einmal sehen kann, egal, von wo aus man guckt.
Und mein persoenliches Lieblingsstueck: eine Kanjispielerei hoechster Klasse, naemlich ein rundes Wasserbecken mit eckigem Ausschnitt in der mitte, um das herum Zeichen, die auf den ersten Blick kaum Sinn ergeben:
//www.happy-1life.com/waretada.htm
… bis man sie im Kontext liest: 吾唯足知 bzw 吾唯足を知る (ware tada taru wo shiru), was ich schwer zu uebersetzen finde. Vielleicht in etwa „Ich kenne nur genug“ — jemand, der die Zufriedenheit kennt, ist geistig reich, waehrend jemand, der nie zufrieden ist, selbst mit allem Geld der Welt nicht gluecklich werden kann. Oder so. Ist jedenfalls ein schoenes Konzept, finde ich.

Wir waren dann noch am Kiyomizudera, das dritte Mal fuer mich seit ich wieder in Japan bin und es wird. Nicht. Langweilig.

War jedenfalls ein netter Tag heute. Gern mehr von der Sorte.

Verfasst von: Billie | Di, 9 Dezember, 2008

Aerger im Mac-Himmel

Bzw vielleicht auch nicht.

Klar ist aber, dass seit Sonntag abend mein geliebtes Macbook streikt. Da ich es dank genialer Uni-Planung nicht schaffen werde, vor fruehestens Sonntag nach Shinsaibashi zum dortigen Apple Store zu kommen, ist bis dahin die Zukunft meiner Internetzeitvertroedelei ungewiss.

Normalerweise waer ich heute direkt nach meiner einzigen Veranstaltung in der ersten Stunde nach Osaka gefahren, aber nein, die Orientation-Sitzung fuer die „bleibenden“ Studenten musste wohl in die fuenfte Stunde gelegt werden …

Zumindest die Dame von AirFrance Tokyo will mich zurueckrufen um mir mitzuteilen, wie ich nu gebucht bin.

Drueckt mir die Daumen. Ich hoffe, demnaechst mit laengeren, ausfuehrlicheren und erfreulichen Nachrichten dienen zu koennen — und, wenn die Festplatte noch will, mit Photos. Irgendwas MUSS diese Woche klappen.

Verfasst von: Billie | So, 16 November, 2008

Faules Wochenende

Ich hab mir heute einen wohlverdienten freien Tag gemacht. Frei in sofern, dass ich mit ungebürsteten Haaren und in dem einen Satz Gammelklamotten, den ich hier habe, vor dem PC oder mit Buch auf dem Boden sitze, alles langsam mache und nicht drüber nachdenke, ob mir grad was entgeht — der zweite Tag vom Schulfest, der letzte Tag der viertägigen Öffnung des Kaiserpalastes für die Öffentlichkeit, verschiedene Treffen mit anderen Leuten. Stattdessen habe ich lange geschlafen, mit den Spam-Einstellungen für mein Handy rumgespielt (spannend — ich hab die letzten Tage teilweise drei Spam-Mails am Tag bekommen, und da ich für jede E-Mail, die mir aufs Handy geschickt, drei Yen zahle, hab ich beschlossen, da was zu tun, bevor die Flut kommt), die neueste Merlin-Folge und den Trailer für das Weihnachtsspecial von Doctor Who geguckt. Irgendwann heute abend sollte ich noch lernen, da ich am Mittwoch einen Test in meinem schwächsten Fach — schriftlicher Ausdruck — habe und noch keinen Plan, wie man einen Graphen beschreibt … juhu, Dinge, die mir auf Deutsch schwerfallen, auf Japanisch machen. Nun ja.

Beim Schulfest gestern haben Øyvind, Jamie, Anni und ich zusammen mit zwei Buddies auf einer kleinen Bühne (glücklicherweise nicht der Großen, wie ursprünglich angedroht) eine „Talkshow“ gegeben — was sind Buddies, wie ist es als Austauschstudent an der Rits, was sind eure Ziele, Sorgen, was macht euch noch Probleme, was gefällt euch hier? und so weiter. Mein persönliches Schlusswort ging in die Richtung von „… und wenn ihr mögt, sprecht uns ruhig an– wir beißen nicht.“, und ich wurde hinterher promt von einem älteren Herrn zum Thema Arbeitsmoral in Deutschland vs Japan gegrillt — war aber sehr interessant, obwohl ich wieder mal feststellen musste, dass meine Allgemeinbildung in diesen Bereichen schmerzlich unterentwickelt ist. Das Campusfest war insgesamt sehr nett, und die leicht melancholische Stimmung, in die ich hinterher gerutscht bin, war nicht unangenehm. Nichts, was eine Stunde albern sein in der Küche und ein, zwei Folgen Doctor Who und Hikaru no Go nicht hätten beheben können. Ich sollte weniger Fernsehen.

Ein paar von euch warten noch auf Antworten auf ihre E-Mails, teilweise schon lange. Ich hab sie nicht vergessen.

Ich habe angefangen, ein bisschen zu arbeiten — Englisch- und ab nächster Woche vermutlich auch Deutschunterricht. Öffnet mir auf jeden Fall Türen zu vielen neuen Leuten.

Verfasst von: Billie | Mi, 5 November, 2008

Dies und jenes.

Schon wieder fast ein Monat seit dem letzten Beitrag … was auch heißt, dass ich viel um die Ohren hatte, was natürlich gut ist.

Das Unschöne zuerst, dann ein halbchronologisch-unvollständiger Bericht über die vergangenen Wochen–
Ich bekomme den einzigen Kurs, den ich wirklich, wirklich spannend finde, nicht angerechnet. Weil ich hier nicht als „Postgraduate“, sonder als „Undergrad“ eingeschrieben bin. Danke, Uni.
Im Prinzip ist’s egal, weil ich ohnehin drei Übungen angerechnet bekomme, egal, was ich belege, aber ich möcht doch schon etwas tun, was meinen Studieninteressen förderlich ist …

Liste von Dingen, die kurios bis ärgerlich sind:

  • ich zahle bei meiner Bank 105¥ Bearbeitungsgebühr, wenn ich außerhalb der Geschäftszeiten am bankeigenen Bankautomaten Geld abheben will.
  • ich bin kein US-Bürger, war nie einer, werde nie einer sein. Ja, ich kann Englisch. Nein, ich gebe keine kostenlosen Privatstunden, nur, weil wir uns zwei Minuten unterhalten haben.
  • das Essen ist zu gut und fängt an, wieder mal Spuren zu hinterlassen …
  • Kakerlaken = widerlich
  • Fahrräder parken ist so gut wie überall verboten, aber (gebührenpflichtige) Parkplätze gibt’s nur wenige.
  • das erste, was am Kühlschrank den Geist aufgibt, ist das Gefrierfach
  • der Euro-Yen-Wechselkurs ich will’s nicht beschreien; momentan gefallen mir die Tendenzen wieder ganz gut.

Soweit die Liste der Dinge, die mir spontan einfallen. Andere Länder …

So. Was hab ich die Wochen so angestellt?

Ich war in Ōtsu, Ōsaka, Kōbe, Uji und Nara, habe in einem japanischen Geschäft Klamotten gefunden, die mir passen, einen Futon für mein Kotatsu gekauft, mich in Möbel verliebt, mich ungezählte Male verlaufen und verfahren … aber der Reihe nach, so gut es geht.

大津・Ōtsu

In Ōtsu findet seit hunderten von Jahren im Herbst ein Fest mit finanzieller Bedeutung statt– es entstand offenbar ursprünglich mit dem Hintergedanken, den Adel aus der kaiserlichen Nachbarstadt Kyōto nach Ōtsu zu locken … ich bin mit Taiki, Keiken, Seisei,  Ō-chan, Miyabi, Nee-san (ネーソホ, der sich mit 「兄さんですけどネエさんです」vorstellte, was sich nicht wirklich übersetzen lässt) und ein paar anderen hingefahren, und lustig war’s. Trotz der kleinen scherzhaften Kappelei, die sich Seisei und Ō-chan in der Bahn leisteten.

大阪・Ōsaka

Zweimal: am 18.10. war ich erst in Ōsaka einkaufen (nun ja, auskundschaften, was es überhaupt an Kleidung gibt, die mir passen könnte — der Rest muss eben aus Deutschland geschickt werden …) und bin dann zu meiner Gastfamilie gefahren, am letzten Wochenende habe ich erst mit Gastschwester Arisa, dem dänischen Gastschüler der Familie und dessen schwedischer ATS-Schulkameradin Kyōto unsicher gemacht (erwähnenswert besonders die drei Stunden bei Starbucks, in denen sich I-House-Kumpel Willie zu uns gesellte und wir wild durcheinander auf Japanisch und Englisch kommunizierten — Arisas Englisch ist ’n Stück besser als das Japanisch der beiden Jungs, aber in dem Tempo, in dem die Konversation lief, war’s wohl doch etwas schwierig), bin dann mit ihnen zurück nach Ōsaka gefahren und habe dort übernachtet, um am Sonntag beim 餅搗き zu helfen. Naja, genaugenommen habe ich beim Mochi-Formen und -Füllen geholfen, das Stampfen haben die Herren übernommen … aber es war ein Erlebnis. Allein schon, weil wir am zweiten November ohne Pulli draußen zugange waren, ohne zu frieren.

神戸・Kōbe

Am 19. (wie sich herausstellte nicht nur der Geburtstag meines Vaters, sondern auch der meines Gastvaters…) nahm Gastmuttern mich mit nach Kōbe, wo ein Basar zugunsten notleidender Kinder in Kriegs- und Krisengebieten stattfand. War interessant. Die Stadt hat Flair, und der Tag war einfach großartig für die Veranstaltung geeignet– strahlender Sonnenschein, leichter Wind. Ich habe unter anderem einen Sandwichtoaster (…) und eine Tasche mit zurück ins Wohnheim genommen, aber am schönsten war eigentlich, dass „unterwegs mit Gastmutter“ so viel von einer Familienunternehmung hatte.

宇治・Uji

Uji ist nicht nur die Stadt für Maccha, den pulverisierten Grüntee, der bei der japanischen Teezeremonie verwendet wird, sondern auch Schauplatz der letzten Kapitel der 源氏物語, der Geschichte vom Prinzen Genji, die dieses Jahr ihr tausendjähriges Jubiläum feiert. TISA, eine Organisation der Rits, hatte sieben verschiedene Touren in und um Kyōto zum Selbstkostenpreis angeboten, und ich wollte mir Uji nicht entgehen lassen. Also machte ich mich am Morgen des 25.10. mit lediglich fünf Stunden Schlaf auf den Weg zum Bahnhof Kyōto, von dem aus die Unternehmung starten würde.

Die Tour war überraschend nett– ein Besuch im Genji-Museum, das einige Originaldokumente ausstellte und eine unglaublich schlechte Verfilmung der Uji-Kapitel zeigte; Mittagessen am Yodogawa, Besuch im Byōdōin, Teezeremonie … ich habe unglaublich viel Geld in Uji gelassen. Ein T-Shirt, mehrere Postkarten, zwei Motiv-Klarsichthüllen — wenigstens hat alles davon praktischen Nutzen …
Photos vom Ausflug gibt es dank „Campus Cameraman“ Rinrin übrigens hier

.

奈良・Nara

Ein weiterer Städtebesuch ohne jeglichen Tourismus war mein Besuch bei Anne in Nara. Sie ist grad erst angekommen und wird hier, wenn alles nach Plan läuft, ein Jahr lang ein Praktikum machen — ich hab sie besucht und versucht, ein bisschen beim Orientieren / Einrichten zu helfen. Wir hatten es am Ende des Tages dann auch geschafft, sie um Grundnahrungsmittel, einen Kochtopf und einiges Zubehör zu bereichern sowie ihre Waschmaschine und ihren Herd zum laufen zu bringen. Nara ist doch was anderes als Kyōto — wo einem hier Mönche in voller Kluft auf dem Fahrrad überholen oder man sie schweigend am Wegrand stehen sieht, laufen in Nara mit lautem Geklapper und Gesang Mitglieder der Tenri-Sekte an einem vorbei …
Ich werde mir definitiv nochmal Zeit nehmen, einen ruhigen Tag mit Touriaktivitäten vor Ort zu verbringen.

Was sonst? Am Freitag war Hallow’een, ich war grün (Facebook hat Photos, die ich bei Gelegenheit nochmal umstellen werde — ich weiß, ich hab seit längerem Photos versprochen; irgendwann komm ich sicher noch dazu) und hatte erstaunlich viel Spaß.
Habe heute meine erste Stunde ausfallen lassen, weil ich weder motiviert noch vorbereitet war (und der Unterricht ohnehin nur aus durcharbeiten der Arbeitblätter besteht), werde zur dritten hingehen und danach zur Arbeit. Bin gespannt, wie das wird — Englischunterricht wird eine Herausforderung sein, weil ich immer wieder merke, wie sehr ich mich dazu zwingen muss, mit Japanern Englisch zu sprechen. Aber das ist in diesem Fall mein Job. Wenn ich mir das oft genug sage, wird’s sicher. Drückt mir die Daumen!

Verfasst von: Billie | Di, 7 Oktober, 2008

Alltag

Der Alltag hat sich jetzt endgültig eingestellt. Ich habe ein Bankkonto, ein eigenes Telefon, mein Stipendium (Willkommensgeld + September + Oktober) wird Ende des Monats auf einen Schlag überwiesen und dann bin ich reich mir ermöglichen, wieder was zu unternehmen — ich komme momentan zwar gut über die Runden wie in Deutschland auch, habe genug zu Essen, stöhne über teure Lehrbücher und könnte, wenn ich wollte, einmal die Woche mit Freunden weggehen. Problem dabei ist nur, dass die meisten anderen hier die ersten Wochen in Japan damit zu nutzen scheinen, dass sie alle Touripunkte Kyōtos auf einmal abhaken zu wollen …

Aber fassen wir zusammen.

Uni

Mein Stundenplan ist ziemlich voll — elf Veranstaltungen; je anderthalb Stunden, HAUFENWEISE Hausaufgaben. Ich hab vier Japanisch-Veranstaltungen (grau), je zwei Veranstaltungen, die a.) vornehmlich für ATS gedacht sind (gelb), b.) nur für Kurzzeit-ATS gedacht sind (pfirsich), und c.) für reguläre japanische Studenten gedacht sind (grün). Außerdem eine Vorlesung zu den Vereinten Nationen auf Englisch, an der japanische Studenten sowie Austauschstudenten aus dem englischsprachigen JWP-Programm teilnehmen (blau).

  Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
900 – 1030   日本語IV – 読解・語彙 日本語II – 文法・文章表現   グローバライゼーションとジェンダー(国関)
1040 –  1210       超級日本語 日本語VI – 聴解・口頭表現
1210 –  1300 昼休み
1300  1430     日本語教授法 II The United Nations ジェンダー論J (法)
1440 –  1610 日本語言語学II   (15:30 – 17:00) 茶道    
1620 –  1750 書道      

Die Japanischkurse sind teils unterhaltsam, teils langweilig, aber sie sollten allesamt etwas bringen. Debattieren auf Japanisch, achduschande … unter anderem wurde auch gesagt, dass mein Leseverständnis-Kurs innerhalb einer Woche ein zweihundert Seiten dickes Buch lesen solle, was ja an und für sich kein Problem wäre, aber auch hier wieder — Japanisch. Ich bin so langsam; das tut meinem Ego nicht grad gut. Wenigstens nehmen die anderen Kursteilnehmer das ganze nicht so ernst („Wie, du willst das echt lesen? Ich hab’s noch nicht mal gekauft!“), das beruhigt mich etwas. Ist auch ganz interessante Lektüre – 『若者の法則』 von Kayama Rika.

Die beiden Veranstaltungen, die ich mit japanischen Studenten belege, sind beide zum Thema Gender — soweit sehr viele Grundlagen, aber es waren auch erst zwei Sitzungen, und es ist auf jeden Fall interessant, das Thema aus einer nicht-euroamerikanischen Perspektive zu behandeln — viele Fragen, die in Europa und Nordamerika eine riesige Rolle spielen, kommen hier gar nicht auf, dafür aber andere, auf die man in Europa ohne weiteres gar nicht käme. Spannend.

Die bislang interessanteste Veranstaltung für japanische und Kurzzeitaustauschstudenten ist die englische Vorlesung zur UN — regt zum Nachdenken an, und der Dozent eröffnete mir auf Nachfrage, dass es nicht nur in Kyōto MUN gibt, sondern sogar einen Ritsumeikan-eigenen Zirkel bzw. „Circle“ — er will zur nächsten Sitzung ein paar Infomaterialien mitbringen. Das wär’s doch, MUN in Japan.

Wegen Circles muss ich mich sowieso nochmal schlau machen — von Eiskunstlauf über Modedesign zu Freiwilligenarbeit und Campusradio gibt’s hier eigentlich nichts, was es nicht gibt, so jedenfalls der Eindruck. Wäre sicher eine gute Gelegenheit, noch ein paar Leute kennen zu lernen.

Wohnheim

Ich hab hier im I-House unheimlich viel Motivation, doch noch mal anzufangen, Koreanisch oder Chinesisch (Mandarin) ordentlich zu lernen – das Sprachwirrwarr im Wohnheim ist unglaublich, und es passiert durchaus, dass ich abends in die Küche komme, die Anwesenden mit 안녕(하스요) begrüße, auf Japanisch und Englisch weiterquatsche und mich mit 晩安 verabschiede … Macht Spaß.

Einkaufen ist nach wie vor ein Abenteuer. Die meisten Dinge, die ich in Deutschland mal eben so gekocht oder gekauft habe, sind hier schlicht nicht machbar — Brot? Fehlanzeige (Toast ist zu kriegen, aber auch nur die Weißbrotvariante), Milchprodukte kosten etwa das Doppelte, Fleisch ist sowieso teuer und oft nur super dünn geschnitten zu haben. Dafür ist logischerweise all das, was in Deutschland im Asiamarkt unerschwinglich ist, spottbillig. Ich hab mir fest vorgenommen, hier zu lernen, wie man Fisch brät und kocht; mal sehen, was das wird — der erste Versuch mit gegrilltem Lachs war durchaus essbar, nur wird mir das in einer deutschen Küche ohne Fischbratschublade im Herd herzlich wenig nützen.

Ansonsten ist im I-House immer was los — wenn man Gesellschaft will, geht man in eine der drei Küchen oder in den Aufenthaltsraum, relative Ruhe findet man im eigenen Zimmer. Ich bin Tag für Tag glücklicher mit meiner Entscheidung, ins I-House zu ziehen, obwohl ich den steilen Hügel auf dem Weg zur Uni immer noch verfluchen könnte.

Leute

Ich kenne mittlerweile einen ganzen Haufen Leute; habe bei einer kleinen Vorstellungsrunde für die gute alte EKUT drei deutschlandinteressierte Mädels kennen gelernt, von denen zwei vermutlich in Tübingen landen werden, die dritte (die ’ne zeitlang in Hamburg gelebt hat, lustig!) wahrscheinlich in Köln, wenn mein Gefühl stimmt.

Am letzten Sonntag (28.9.) hab ich mich mit Naoko, Kumi, Sayo und Gordon getroffen und wir haben gemeinsam die Gegend um den 清水寺 unsicher gemacht. Hinterher bin ich noch zu Naoko und ihrer Schwester gefahren, wir haben zusammen O-nabe (japanischen Eintopf, typisches Winter-/ Herbstessen) gegessen und gequatscht und hatten generell einen netten Abend. Darf häufiger passieren.
Diesen Sonntag war ich mit Leuten aus den anderen Wohnheimen (Lapita und I-House II) sowie einem der Buddies beim Karaoke; nachdem Jamie, Dokken und Raisa gegen 22:30 gehen mussten, haben Shimpei, Jess und ich noch bis kurz nach eins durchgehalten … entsprechend hinüber war ich dann die letzten beiden Tage, aber irgendwie war’s das wert. Karaoke ist was tolles. Sollte Shimpei seine Drohung, die Videos, die er von uns beim YMCA-Singen und -Hampeln gemacht hat, bei Facebook hochzuladen, wahr machen, werde ich ihn allerdings erledigen müssen. Heimlich, still und leise.

Sonst

Was sonst? Kyōto ist ideal mit dem Fahrrad zu erkunden, allein schon, weil eine Bus- oder Straßenbahnfahrt um die 200¥ kostet. Das ist beim Fahrstil der Einheimischen allerdings nicht unbedingt spaßig — fängt an mit Radfahrern, die einem auf der falschen Seite entgegenkommen und dann erwarten, dass man sie innen vorbei lässt, und endet mit Autofahrern, denen Zebrastreifen einfach völlig egal sind. Ich hab mir im besagten Kiyomizudera vorsichtshalber einen Glücksbringer für Sicherheit im Straßenverkehr gekauft.

100¥-Shops wie Daisō sind böse. Man bekommt dort zwar alles für 100¥, aber erstens verleitet das zu Schwachsinnskäufen und zweitens vergisst man schnell mal, dass der gleiche Gegenstand im Supermarkt um die Ecke vielleicht nur 88¥ kostet …

Außerdem: Bitte, Euro, benimm dich und komm zurück! Ich hab mit einem Wechselkurs von mindestens 150¥/Euro gerechnet, nicht mit mickrigen 139!

Verfasst von: Billie | Di, 23 September, 2008

Orientation, Einstufungstest, Leute

So langsam stellt sich eine Art Alltag ein — von richtigem Alltag kann noch nicht die Rede sein, da die Uni noch nicht begonnen hat, aber zumindest ist nicht mehr jeder Tag voll von „Ach richtig, da war noch …“

Klar ist noch lange nicht alles erledigt, aber so langsam wird’s. Morgen oder übermorgen eröffne ich ein Konto, vermutlich bei der Kyōto Chūō Kinko, die uns empfohlen wurde. Dann kann ich nämlich endlich auch mein JASSO in Anspruch nehmen … dazu vielleicht an anderer Stelle nochmal mehr, so ganz einfach ist nämlich auch das leider nicht.

Also, was mache ich hier eigentlich?

Einkaufen — ich habe immer noch nicht alles, was zum täglichen Leben nötig ist, und versuche, stückchenweise die Dinge zusammen zu bekommen, ohne mich gleich in riesige Unkosten zu stürzen. Werde eventuell häufiger mal in der Mensa essen; das Essen dort ist günstig und ziemlich gut, mit kostenloser Nährwertanalyse auf dem Bon.

Leute … im Wohnheim sind die meisten wirklich nett, es wird viel gefeiert und ausgegangen (wobei ich aufpassen muss, das nicht zur Gewohnheit werden zu lassen, sonst wird’s auf die Dauer eben doch teuer) oder eben in Zimmern gefeiert, bis Buddies kommen und schimpfen. Die Atmosphäre ist einfach schön locker und entspannt, und die Internationalität der Bewohner sorgt dafür, dass immer irgendein Gesprächsstoff besteht, und wenn’s nur gegenseitiges „Was sagt ihr dazu? Bei uns heißt das …!“ ist.

Freitag waren die Einstufungprüfungen — Hörverständnis ging so, Leseversändnis hab ich als erste abgegeben, und wurde dann auch prompt (als einziger Nicht-Asiat abgesehen von Marty aus den USA, der die ersten Tests dank bestandenem JLPT Lvl 1 nicht machen musste) zum Test fürs Seiki-Level, bei dem ich an regulären Vorlesungen teilnehmen kann, eingeladen. Das lief so la la, aber offenbar gut genug, dass sie’s mir im Interview (bzw der mündlichen Prüfung) am Montag nicht abgesprochen haben. Genaue Ergebnisse erfahr ich am Donnerstag.

Morgen ist außerdem Willkommens- / Immatrikulationszeremonie, und irgendein kluger Kopf hat sich einfallen lassen, dass wir erst in „semi-casual“, also an europäischen Verhältnissen gemessen schicker Garderobe dort aufkreuzen sollen und anschließend ins Erdbebenzentrum, um zu lernen, wie man sich bei selbigen verhält … ohne, dass vorgesehen wäre, dass man sich zwischendurch umziehen kann. Kein Kommentar.

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Verfasst von: Billie | Mi, 17 September, 2008

Die ersten Tage in Kyōto

Ich verbringe im Moment unglaublich wenig Zeit vor dem PC, wobei sich das sicher wieder ändert, sobald ich eigentlich Hausaufgaben erledigen sollte oder alle Bände der für mich interessanten Serien in der kleinen Book-Off-Filiale hier um die Ecke gelesen habe … aber zu den ersten Tagen hier.

Am Morgen des 9.9. habe ich Osaka hinter mir gelassen und mich auf den Weg nach Kyōto gemacht. Ist nicht weit, ist auch nicht weiter anstrengend, aber ich habe mich zwischen der Endstation (Straßenbahn! Ich wusste gar nicht, dass es sowas in Japan gibt, und suspekt sind mir die Dinger nach wie vor …) und dem Wohnheim erstmal gründlich verlaufen. Dreimal Fragen, und dann kam ich aber an — als erste der neuen ATS. Das mit dem Verlaufen sollte sich übrigens noch drei, viermal wiederholen, so langsam kenn ich mich aber aus … hoffe ich.

Erste Eindrücke aus dem Wohnheim: unerwartet groß und sauber (Ausnahme: Küchen, die sind sehr klein und nur an Wohnheimstandards gemessen sauber), viele viele viele Regeln — beim Verlassen des Hauses Namensschild auf Rot drehen, beim Wiederkommen auf Weiß zurück; nach 21h Ruhe im Haus, Besuch nur bis 23h (es sei denn, der Besuch übernachtet, dann muss er aber pro Nacht 1000¥ zahlen), Besuch muss sich in eine Liste eintragen, bei mehreren Leuten im Zimmer die Fenster schließen, weil sich sonst die Nachbarn über den Lärm beschweren, usw usf.
Ich war erstmal ziemlich erschlagen und wollte nur zurück zu Ayaka oder ihrer Familie, aber das legte sich dann auch. Ich konnte gleich am ersten Tag ein Fahrrad, einen Kühlschrank und ein Kotatsu, das allerdings kein Stromkabel vorweisen kann und daher vorerst nur als Tisch zu gebrauchen ist, erstehen — für den Spottpreis von insgesamt 8500¥.
Wasserkocher/Kühler, Schreibtisch, Stuhl, Bett, Lampe, Telefon für eingehende Anrufe, Klimaanlage und ein riesiger Wandschrank sind im Zimmer schon vorhanden. Meins war außerdem mit einer Unmenge an Kleiderbügeln ausgestattet … hat dafür aber nur drei Steckdosen. Mehrfachverlängerungssteckdosen sind meine besten Freunde, ich brauche noch mehr davon.

Am Abend bin ich dann nach Tōkyō gefahren, aber das bekommt noch einen eigenen Eintrag. Hoffe ich. Wie gesagt, sobald ich eigentlich was anderes tun sollte … lustig war’s aber, soviel kann ich grade schon sagen.

Zurück aus Tōkyō waren dann auf einmal sehr viel mehr Leute im I-House, und die „Buddies“, drei japanische Studenten, die im I-House wohnen und den Austauschstudis beim Eingewöhnen etc helfen und den Herbergsvater, Herrn YZ, beim Beaufsichtigen unterstützen sollen, hatten alle Hände voll zu tun.
Ich habe mich mit ein paar Leuten angefreundet — wegen Namen muss ich nochmal fragen, ob ich die hier reinstellen darf, aber es ist eine bunte Mischung aus einer chinesisch-stämmigen Neuseeländerin, einer Norwegerin, mehreren Amerikanern, einer Kanadierin, zwei Chinesinnen und noch ein paar Leuten, deren Herkunftsland ich grade nicht genau zuordnen kann, Asche auf mein Haupt.

[Edit 17:30]Whoops, mir war nicht bewusst, wie lang dieser Eintrag geworden ist … wer noch weiterlesen kann/mag, klicke bitte auf Weiterlesen…

Verfasst von: Billie | Mo, 8 September, 2008

Die ersten Tage – II

Sonntag bis Dienstag bleibe ich bei Ayaka.
Gleich Sonntag morgens war ich mit Ayaka auf einem Flohmarkt am CosmoSquare, einem Gebiet auf einer künstlich aufgeschütteten Insel in der Bucht von Ōsaka. Ich habe Freundinnen von ihr kennengelernt, und alles war ziemlich lustig, bis es plötzlich zu blitzen und donnern und regnen anfing — ich habe noch nie einen so großen Platz so schnell leer werden sehen. Der Stand neben dem von Ayaka und ihren Freundinnen hatte ein Partyzelt, dass sie unter Gelächter und vielen „Kommen Sie, stellen Sie sich unter! Nur 200Y pro Person!“ absenkten, und riefen uns rein — „Kommt rein, kommt rein, von euch nehmen wir dafür auch kein Geld.“
Als der Regen nachließ, haben sie uns und unseren Krempel sogar noch bis zum Bahnhof gefahren. Supernette Leute.

Danach haben wir uns in einen Starbucks gehockt, wo wir letztenendes über fünf Stunden hängen geblieben sind — bei nur einem Kaffee pro Nase. Ein Amerikaner, der an der Kansai Gaidai (Kansai-Fremdsprachenuniversität) unterrichtet, gesellte sich irgendwann dazu, als wir die Harley bestaunten, die hinter uns geparkt war.
Abends gab’s großartiges Fleisch, Reis und gute Gesellschaft; Ayakas Freund hat gekocht, ihre beste Freundin von der Uni war noch zu Besuch, und es gesellig und lustig.

Ein langer Tag, ein guter Tag. Bis auf den minimalen Sonnenbrand (Ayakas ist VIEL schlimmer) und die gefühlten hundert Mückenstiche, die ich mir zugezogen hab. Aber selbst damit: gerne, gerne wieder.

Heute musste Ayaka arbeiten, woraufhin ihr Freund anbot, was mit mir zu unternehmen — wär nicht nötig gewesen, war aber supernett. Wir waren auf dem Campus der Kansai Gaidai, an der Ayaka studiert, und ich bin prompt Juliane und Henrik begegnet, die dort ihr Auslandsjahr verbringen. Hoffentlich schaffen wir’s, irgendwann was zusammen zu unternehmen — Kyōto und Ōsaka sind ja nicht weit auseinander.
Danach ging’s weiter — BookOff; eine Kette, die „gebrauchte“ Bücher, Comics, Videospiele … verkauft. Auch wenn das Zeug gebraucht ist, ist es am ehesten vergleichbar mit den „gebraucht – wie neu“ oder „gebraucht – sehr gut“-Sachen, die man bei Amazon teilweise kriegt, und es kostet größtenteils weniger als die Hälfte des Neupreises.

Die Kuzuha Mall war dann der Abschluss, vor allem deshalb, weil ich Schussel zwar meine Geldkarten mitgenommen habe, aber die falschen PINs.
Als ich das letzte Mal nach Japan fuhr, war ich minderjährig. Deswegen bekam meine Mutter Zweitkaten für die Konten. Meine Karten waren noch nicht da, als ich abreisen sollte, ihre schon, weshalb ich ihre mitnahm und mir logischerweise auch ihre PINs merkte.
Diesmal hab ich meine eigenen Karten mit … aber die PINs, die ich im Kopf hab, gehören zu den anderen Karten. Dumm gelaufen. Ich hoffe, dass ich das schnell in den Griff bekomme.

Kleinigkeiten:

  • japanische Schmetterlinge sind immer noch riesig.
  • Linksverkehr gilt nicht für japanische Radfahrer
  • oder Motorradfahrer ohne jemanden aufm Sozius
  • auf einem Motorrad mitfahren macht Spaß, und es klappt auch, wenn der Mitfahrer geschätzte anderthalb Mal so schwer ist wie der Fahrer
  • Fremdsprachen halbwegs sprechen zu können öffnet einem eine Million Türen

Heute abend: Karaoke, falls Ayaka und Kacchan nicht zu müde sind. Und morgen geht’s erst ins Wohnheim, dann nach Tōkyō. Internet hab ich vermutlich in einer Woche wieder, eventuell früher, sollte ich ein Internetcafé ausfindig machen.

Verfasst von: Billie | Mo, 8 September, 2008

Die ersten Tage — I

Ein paar mehr Details — Flug und die ersten beiden Tage.

Der Flug mit Air France war super, weit besser, als ich bei all den kritischen Bemerkungen zu hoffen gewagt hätte — ich saß in einer Dreier-Sitzreihe mit nur einer anderen Person, sodass wir den mittleren Platz frei halten konnten. Das Essen war okay bis gut und reichlich, das Unterhaltungsprogramm auch (hab letztenendes doch lieber gelesen, aber es standen unter anderen um die zehn verschiedene Filme zur Auswahl — Economy class!), und mit meinen zwei Handgepäckstücken (Trolley und Rucksack) gab es keinerlei Probleme. Mit meiner Sitznachbarin hab ich mich auch gut unterhalten.

Bei der Ankunft in Japan musste ich mich zum ersten Mal in meinem Leben filzen lassen, komplett mit Koffer durchwühlen und allem, aber selbst da war der Beamte sehr höflich, fragte bei allem nach, ob es okay sei (nicht, dass ich ’ne Wahl gehabt hätte, aber immer hin war es „Dürfte ich …“ und nicht „Machen Sie.“) — Japan eben.

Auch typisch Japan: um 8:20 gelandet, um 8:40 schon draußen, trotz Filzen und Passkontrolle. Ich habe meine Prepaid-Karte aufgeladen und gewartet, und dann wurde ich auch schon abgeholt.

Samstag: mit meiner Gastmutter nach Hirano-ku gefahren, wo mein Gastvater seinen Laden hat. Ōsaka ist Partnerstadt von Hamburg, und Hirano hat eine Stadtteilpartnerschaft (ich wusste bis vor kurzem nicht mal, dass es sowas gibt!) mit Altona, einem Hamburger Stadtteil ganz in der Nähe meines Elternhauses. Interessant, was man alles so erfährt.

Ich hatte Jetlag-sei-Dank ziemliche Kopfschmerzen, aber bei einem Spaziergang durch die überdachten Einkaufsstraßen mit vielen Einzelhändlern (u.a. Geschäfe für Kimono, Schuhwerk, Drogerieartikel, Bücher und Schreibwaren, Tee, japanische Süßigkeiten, Fisch, und aus Sojabohnen hergestellte Spezialitäten) legte sich das — es war seltsam. Wenn man mich Donnerstag oder Freitag nach Hirano gefragt hätte, hätte ich nur sagen können, dass Gastvatern einen Fleischerladen hat, der Nachbar zur Rechten Fisch verkauft und der Laden gegenüber Reis. Als ich dann aber durch die Gegend lief, kam alles wieder. Das Gefühl vom Igel im Luftballongeschäft legte sich dann auch bald, und als ich beschloss, in einem der Buch- und Schreibwarenläden ein Heft und einen Hanko zu kaufen, bekam ich von der Verkäuferin, die von der Tatsache, dass ich aus Deutschland bis nach Japan gekommen war und die Sprache auch noch passabel spreche, begeistert war, nicht nur den Stempel billiger, sonder die Tasche dafür samt Stempelkissen geschenkt. Photos vom Stempel gibt’s demnächst, Tips, mit welchen Kanji ich jetzt unterstemple, nehme ich gern entgegen.

Verfasst von: Billie | Fr, 5 September, 2008

Angekommen

… bin ich schon vor ca. neun Stunden. Ich hatte kurz vor dem Abflug noch eine Mail bekommen, dass meine Gastmutter und -schwester mich abholen würden; letztenendes standen mein Gastvater, Ayaka, ihr Freund, und der derzeitige Austauschschüler der Familie in der Halle des Flughafens — liebenswertes Chaos im Kleinen, wie ich es von ihnen gewohnt bin. Das erwartete mich dann auch im Haus.

Irgendwie ist es, als sei ich nie weg gewesen. Ein bisschen gruselig auch, denn das ich von damals meine ich doch schon ein Stück weit hinter mir gelassen zu haben, aber vor allem ist es schön.

Ich bin momentan im Zimmer meiner jüngeren Gastschwester, die noch in der Schule ist. Im W-LAN-Netz des Nachbarn. Naja, ich hab nicht vor, große Dateien hin- und herzujagen …

Es sind 29°, der Himmel ist bewölkt, alle halbe Stunde gießt es zehn Minuten, und die Luftfeuchtigkeit ist konstant bei 80%. Japan im Sommer eben.

Morgen mehr, denke ich.

Verfasst von: Billie | Mi, 3 September, 2008

Letzter Abend …

… vor dem Abflug.

Morgen früh um 1015 geht der Flieger, muss also ca. zwei Stunden vorher am Flughafen sein. Drei Viertel sind gepackt, die Mitbringsel bereiten noch etwas Kopfzerbrechen (wie pack ich das jetzt am besten?), Klamottenwahl und Handgepäck ohnehin. Solange ich das Telefon und den PC nicht vergesse, sollte aber alles in Ordnung gehen.

Wenn ich ankomme, hab ich auch wieder alles mögliche um die Ohren — eine Karte für den Nachtbus nach Tōkyō, Organisation von Einzug und Einleben in Kyōto. Nicht so viel drüber nachdenken, wird schon schiefgehen, wird schon, wird schon … Ich habe etwas Geld in der Tasche, meinen Pass, mein Visum und das Flugticket. Das sind die wesentlichen Dinge. PC und Telefon morgen. Und dann geht’s los.

Drückt mir die Daumen, dass ich mich am Charles de Gaulle nicht verlaufe!

Wir lesen uns.

Verfasst von: Billie | Do, 28 August, 2008

Kurze Durchsage:

Ich hab die besten Freunde der Welt.

Verfasst von: Billie | Mo, 25 August, 2008

Hah!

Mein Visum!

Mein Visum!

Das Visum hab ich jetzt, die einzige Sorge, die besteht, ist, dass das CoE kurz davor ist, aus dem Pass zu reißen — sie haben es irgendwie doof festgetackert … Naja, wird schon.

Ich hab mein Visum!

Verfasst von: Billie | So, 24 August, 2008

Ein liebes Angebot

So schnell können sich Informationen manchmal ändern.
Ich habe gestern, nachdem ich hier von Visum und Unterkunft gebloggt hatte, ähnliches noch bei Mixi (einer japanischen Netzwerkseite) notiert, damit meine japanischen Freunde auch etwas davon mitbekommen.

Keine Stunde später bekam ich einen Kommentar von Ayaka, einer meiner Gastschwestern aus Schüleraustauschzeiten, die nach wie vor in Ōsaka, also der Nachbarpräfektur von Kyōto, wohnt: ob ich nicht bei ihr bleiben wolle? Es sei von ihr nur ca. eine halbe Stunde bis Kyōto-Hauptbahnhof, und sie würde sich freuen.

Ich setzte mich also hin und schrieb ihr eine E-Mail, wir chatteten kurz und jetzt wird es wohl so laufen, dass sie mich nicht nur bei sich übernachten lässt, sogar vom KIX abholt, obwohl man von ihr aus schon mit der Bahn ca. anderthalb Stunden hinfährt … Superlieb!

Abgesehen davon ist mir mit Schrecken eingefallen, dass ich ja auch noch eine Hausarbeit fertig zu schreiben habe … Mist? Was soll’s, ich krieg das Ding diese Woche fertig. Irgendwie.

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