Verfasst von: Billie | So, 29 März, 2009

Essen

„Du kochst aber oft Japanisch.“
Solche oder ähnliche Sätze bekomme hier immer wieder zu hören, und ich dachte mir, da Essen und Kochen eine wichtige und so gut wie tägliche Beschäftigung sind, hat Essen in Japan einen eigenen Eintrag verdient. Nicht nur als Zusatz zu Silvester und Neujahr, wo ich mich schon viel drüber ausgelassen hab, und eigentlich sogar mehr als einen, aber irgendwo muss man ja mal anfangen.

In Deutschland hört man oft, japanisches Gemüse sei sehr teuer– tatsächlich ist es so, dass viele Dinge, die in Deutschland spottbillig sind (Kartoffeln, Möhren etc) teurer sind als gewohnt, dafür werden einem andere Dinge nahezu hinterher geworfen. Fleisch ist teurer, Fisch dafür sehr günstig– und da am Dienstag ein neuer Riesensupermarkt direkt um die Ecke eröffnet hat, habe ich jetzt auch Möglichkeiten, frischen Fisch zu kaufen, was mich natürlich sehr freut. Heute habe ich zwei kleine Makrelenhechte (jap. samma) gekauft, die dann mit Salz abgerieben und in der Grillschublade des Herdes gegart werden.

Generell sieht warmes Essen für mich hier so aus, dass ich entweder Reis oder Nudeln habe (meist Reis, manchmal Nudeln, selten Kartoffeln), dazu irgendein Gemüse, und eventuell etwas Fleisch oder Fisch.
Soja und Reis gehören eigentlich in irgendeiner Form zu jeder Mahlzeit– mit Kombinationen aus shōyu, mirin, sake, Zucker und dashi wird gewürzt, auch Miso wird beileibe nicht nur als Suppengrundlage verwendet, sondern gern auch zum Würzen genommen (es gibt da auch X verschiedene Sorten, die alle unterschiedlich verwendet werden …). Sojasprossen, Tōfu und Nattō sind weitere Sojaerzeugnisse, und „einfach so“ kann man die Bohnen auch essen … viel Auswahl also.
Sesam und Sesamöl, katsuobushi, Pfeffer, Knoblauch und Ingwer sind weitere beliebte Würzmittel.

Aber Butter bei die Fische– was verwende ich denn jetzt eigentlich?

Ich habe zwei Standard-Frühstückskombinationen. Die eine ist reisbasiert, die andere auf Toastbrot. Letzteres wird mit Butter und Marmelade, manchmal auch mit Schokoschmiere, Erdnussbutter oder Vegemite gegessen, manchmal noch ein Frühstücksei, dazu gibt’s Kaffee oder Schwarztee, immer mit Milch.
Die Reisvariante bei mir sieht eigentlich immer nattō (ja, das nattō) und ochazuke— Reis mit Tee aufgegossen– vor, dazu teilweise umeboshi, rohes Ei, Reste vom Vortag, manchmal noch Misosuppe … und dann meistens trotzdem Kaffee oder Schwarztee mit Milch, egal, wie die Leute sich drüber amüsieren.

Warme Mahlzeiten sind ganz unterschiedlich– bei westlicher Pasta gibt’s teilweise Tütensauce, teilweise selbstgemachtes, je nach Laune (wobei die Tütensaucen hier auch interessant sind– eine meiner Lieblingsvarianten ist weniger Sauce als trockene Zutaten, die als Geschmackszutat draufkommen, nämlich getrocknete tarako — Kabeljaurogen — mit etwas Salz und nori).
Bei Reis … gibt es viel. Dinge, die ich häufig mache:
kabocha no amani, süß gekochter Hokkaidōkürbis
piiman to eringi no marugotoni, ganze Kräuterseitlinge und Minipaprika in Sud gekocht
– Curryreis
nikujaga: Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Gemüse-was-da-ist (bei mir meist Möhren und konnyaku), mit dashi, Zucker, shōyu und mirin gekocht
shōgayaki, mit Ingwer und Soyasauce mariniertes gebratenes Fleisch
hōrensō no gomaae— Spinat mit einer Sesamsauce angerichtet; ein Rezept, das ich von Higanbana habe

usw. usf.

Saisonal bedingt verwende ich unterschiedliche Dinge, im Herbst gab’s viele Auberginen, im Winter Kürbis und Süßkartoffeln, im Moment Lauchzwiebeln und Spinat … dann gibt’s die Dinge, die ich immer wieder mal kaufe, aber selten ganz schaffe, so wie daikon, eine riesige Rettichart, oder nagaimo, eine schleimende Wurzel, die bei verschiedenen Sachen verwendet wird. Weitere Speiseplankomponenten sind Okra (auch schleimig, aber hübsch), andere japanische Pilzsorten wie shiitake, enokitake, maitake und shimeji, der schwarzwurzelartige gobō, Blattgemüse wie mitsuba, mizuna und komatsuna … Langweilig wird’s so schnell nicht.

So, und jetzt hab ich Hunger. Mehr vielleicht später.

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Responses

  1. Du kannst die Goma-ae auch mit anderem Gruenzeugs zusammen verwenden. Jetzt gibt’s ja viel Nanohana oder Nabanana oder so. Das schmeckt auch gut. ^^

  2. *auch will* ;_;

  3. Allein schon, um mehr Japanisch kochen zu können, wäre es es mir wert, nochmal für länger nach Japan zu gehen – erst recht, wenn ich diesen Eintrag lese… *magen knurrt*

  4. Hmmmm… Warum spricht mich das alles irgendwie mehr an als die mir zur Verfügung stehenden Varianten?
    Irgenwie muss man hier ziemlich lange suchen, bis man was anständiges zu Kochen findet. Gemüse geht, Fleisch trau ich mich nich wirklich (ist auch teuer), Fisch ist ok. Sonst gibts viel Fertigzeug (was ich zu vermeiden versuche, abgesehen von Suppe), und Haferflocken gibts fast nur als Oatmeal-Fertigpackung. Uah. Ich habs getestet, viel zu süß. 😉 Überhaupt, süßes Frühstück? Bah. Neutral ist ok (also Haferflocken mit Milch ^^), Misosuppe besser ^^ Hab ich hier aber leider noch nicht gefunden, unter anderm, da mir meine chinesischen Mitbewohnerinnen noch nicht gezeigt haben, wo der Asienshop ist… die Wegbeschreibung war nicht wirklich hilfreich 😉
    Warum tippe ich das eigentlich alles hier rein? -> eigenen Eintrag schreiben, Essen ist schließlich wichtig. Besonders unter erschwerten Bedingungen. 😉

    • Asienshop? Wo bist du denn?

      Wenn du japanisch kochen willst, dann reichen doch fast schon Mirin, Koch-Sake (im schlimmsten Fall geht auch welcher zum Trinken), Sojasosse (moeglichst nicht zu salzig und nicht zu suess) und moeglichst noch Miso. Einfache Sachen mit normalen Zutaten bekommt man da immer hin.

      Bei Zucker geht auch normaler europaeischer, auch wenn man da laenger ruehren muss, bis er sich aufloest. Und was das Dashi betrifft, HONDASHI von Ajinomoto gab es schon vor 8 Jahren in Deutschland. Und wer kein KATAKURIKO zum Andicken hat, der koennte es mal mit Kartoffelstaerke oder Auszugsmehl oder Maismehl oder wahlweise auch mit handelsueblichen Sossenandicker probieren. Solange es sich normal in Wasser aufloest, duerfte das alles kein Problem darstellen.

      Ansonsten kann ich dich nur an die Seite Justhungry verweisen, dort werden jede Menge japanische Gerichte oder Gerichte japanischer Art vorgestellt, die auch leicht im westlichen Ausland zu kochen sind. (War uebrigens ein netter Tipp von der Bloginhaberin hier.)

      Liebe Gruesse

      Higanbana

  5. Mjam!


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