Verfasst von: Billie | Mo, 23 Februar, 2009

Ski fahren in Japan

Am Abend des 15.2. ging es also auf nach Hakuba. Nachdem wir uns vor dem Nijō-jō eine Stunde bei Nieselregen die Beine in den Bauch gestanden hatten, wurde um 23:57 — 47 Minuten später als geplant — endlich unser Bus angesagt; keine Viertelstunde später waren wir dann auch unterwegs. Und mir fiel wieder ein, warum ich den Nachtbus nicht mag.

Nachtbusse gibt es in verschiedensten Ausführungen. Die teureren haben drei Reihen mit je einem Einzelsitz, eventuell einer Beinstütze und reichlich Platz in alle Richtungen. Der, in dem wir nach Hakuba fuhren, war ein stinknormaler Reisebus, der über Nacht fuhr. Eng, kaum Raum zum Atmen und selbst für mich mit meinen kurzen Stampfern war der Fußraum nicht ausreichend.

Dazu kam, dass der Bus voller achtzehn- bis mittzwanzigjährigen Studis war, die allesamt aufgeregt durcheinanderschnatterten und sich offenbar kein Deut darum scherten, dass wir alle am nächsten morgen auf die Piste wollten. Ich hab in der Nacht nicht geschlafen, oder wenn, dann immer nur so kurz, dass es nicht als Schlaf registriert wurde. Also wurde sich mit aller Macht an die Hoffnung des frühen Check-ins geklammert, der zwar 1000Y Aufpreis gekostet hätte, uns dafür aber ein paar Stunden Schlaf gegönnt hätte …
Um kurz vor acht Uhr morgens kamen wir dann im Hotel du L’Aile an, wo uns mitgeteilt wurde, wir könnten uns nicht früher einchecken, der Raum sei noch belegt. Völliger Zusammenbruch bei mir. Bevor ich irgendjemanden köpfen oder in Tränen ausbrechen konnte, wurde ich zum Frühstück geschleppt (800Y Aufpreis, aber das war uns so egal), und nach Kaffee und gutem Essen beschloss ich also, mich im nur mäßig sauberen Gepäcklagerraum auf den Boden zu legen– senkrecht und vor allem ruhig. Ich hatte kaum meinen Kopf auf dem Rucksack bevor ich einschlief.

Irgendwann wurde ich dann von Morgan geweckt– wahrscheinlich war’s ca. ’ne halbe Stunde später, aber ich fühlte mich wieder halbwegs menschlich. Wir liehen uns unsere Schneesachen (Ski für mich, Snowboards für den Rest, Klamotten, Handschuhe und Schneebrillen für alle), zahlten die kleinen Extrabeträge, die bei solchen Supersonderangeboten immer anfallen (ca. 160€ für Hin- und Rückfahrt, zwei Tage Skipass, Ausrüstung und eine Übernachtung mit Halbpension ist auch in Japan zu gut, um wahr zu sein), und machten uns auf, um unseren Skibus zu finden. Was sich als schwierig gestaltete. Als uns aufging, dass der auf dem Kuhfänger als „D-Route“ ausgezeichnete Bus tatsächlich der langerwartete F-Routen Bus war– der letzte für die nächsten zwei Stunden, wohlgemerkt– rauschte er grade an uns vorbei. Aber da wir in Hakuba waren, wo zwischen Massen von neuseeländischen und australischen Wintersporttouristen, mit denen auf Hand-Fuß-drei Worte Englisch basierender Basis kommuniziert wird, Japanisch sprechende weiße Ausländer offenbar eine Erleichterung darstellen, gab uns der nächste Busfahrer, dem wir unser Leid klagten, die Telefonnummer der Hauptgeschäftsstelle der Busgesellschaft.

Als designierter Telefonierer der Gruppe klingelte ich also an, schilderte das Ganze nochmals, und bekam die Rückfrage / Auskunft „Sie stehen zu fünft an der Shuttlebushaltestelle vor dem La Neige, ja? Könnte ich Ihren Namen noch einmal haben? Danke, wir melden uns sofort noch einmal bei Ihnen.“
Drei Minuten, fünf Minuten, acht Minuten tickten um. Mir ging auf, dass sie nicht nach meiner Telefonnummer gefragt hatten. Morgan war dafür, zum Hotel zurückzugehen und nach Alternativen zu fragen, die beiden Jungs schulterten schon ihre Ausrüstung– und ein Minibus fuhr an: „Entschuldigung, sind Sie–?“.
Die hatten ernsthaft noch einen extra Bus für uns losgeschickt. Hach, Japan.

Gegen 11:45 waren wir dann auch tatsächlich– unsicher und mit wackeligen Beinen– auf der Piste. Die erste Abfahrt ist die schlimmste, aber danach fiel mir stückchenweise wieder ein, warum Skifahren lustig ist. Unter anderem deshalb, weil man nicht so oft fällt wie beim Boarden. Tatsächlich war ich in unserer fünfköpfigen Gruppe meist am schnellsten unten– und auch relativ unfallfrei. Ich schieb das allerdings auf die Tatsache, das Skifahren von den Grundlagen her einfacher ist.

Nach dem Mittagessen gegen zwei fing es an zu schneien, und um kurz nach drei kam die Durchsage, dass ob der Wetterverhältnisse heute schon um sechzehn Uhr statt, wie üblich, siebzehn Uhr die Piste geschlossen würde. Passte uns aber ganz gut, wir waren ohnehin alle müde, und die ungewohnten Ski- und Snowboardstiefel hatten für unangenehme Druckstellen gesorgt. Auf den Brettern merkte man das nicht so, aber die zweihundert Meter zurück vom Bus zum Hotel gehörten zu den längsten, die ich je absolviert habe.

Abendessen war großartig– nabe mit Hühnchenhack, Steak mit Pommes, Reis bis zum Abwinken, soba, tsukemono … zum Nachtisch gab’s eingelegte Birnenstücke mit Schokoladensauce und Sahne. Gutes Essen.

Das Hotel hatte, wie wohl sehr viele in Hakuba, ein „angeschlossenes“ Onsen– die beiden riesigen Badewannen wurden mit Wasser aus Thermalquellen des Orts gespeist. Eine Sauna gab’s auch noch. Das ich keinen Muskelkater bekommen habe, schiebe ich auf diese Umstände.

Und da der Tag lang und anstrengend war, waren die letzten unserer Gruppe um halb zehn im Bett bzw. auf dem Futon.

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Responses

  1. Kommt mir das grad nur so vor, oder haben die Japaner ein Faible für französische Hotel-Namen? (Und soo kreative noch dazu. 😉 Da reicht ja sogar mein Französisch noch.)
    Der Schnee hier ist bald weg (wie berichtet) – vielleicht kommt ich nächsten Winter ja zum Schlittenfahren? *hoff*

    • In Ski-Resorts offenbar schon, ansonsten aber eher englisch oder so… 😉 Es wird sich bei sowas eben immer am Ausland orientiert; alpiner Wintersport war in Japan früher anscheinend eher unbekannt. Wir sind auf dem Weg zum GERENDE ( = Gelände, also zur Piste 😉 ) auch an einer „Canadian Lodge“ und einem „Mominoki Hotel“ (Momi-no-ki ist der Überbegriff für Nadelbäume, iirc) vorbeigefahren. 😉

  2. Hey, ich war 2003 mal in Hakuba zum Hiking, oben im Naturpark. Dort habe ich meinen ersten ピザまん gegessen! 🙂

    ねえ、手帳がどうした?


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