Verfasst von: Billie | Di, 6 Januar, 2009

Prost Neujahr 2009!

新年あけましておめでとうございます, ein frohes neues Jahr!

Zu den christlichen Feiertagen kann ich nur sagen, dass ich (sogar dreimal) sehr schön und angenehm Weihnachten gefeiert habe, wenn auch nicht ganz so, wie man das von Deutschland vielleicht erwartet hätte.

Ich war über die japanischen Feiertage bei meiner zweiten Gastfamilie. Die T.s hatten mich eingeladen, mit ihnen お正月, Neujahr, zu verbringen, verbunden mit der Warnung, dass es nichts besonderes, sondern einfach nur „寝正月“ werden würde — 寝る heißt „schlafen“, grob könnte man das ganze als „verschlafenes Neujahr“ bezeichnen.

Also begab ich mich nach einigem Gewusel am Nachmittag des 29. nach Taishi. Der Hinweg war mit einigem Ärger verbunden: der Miniatur-Maulwurfkuchen, den ich in der Multifunktionsmikrowelle unserer winzigen I-House-Küche gebacken hatte, beschloss, dass die extra gekaufte Kuchentransportkiste zu dünnwändig war und machte einen Abgang auf die Straße. Glücklicherweise blieb er auf dem Plastiktablett und machte nicht die berüchtigte 180°-Marmeladenbrot-Drehung, sodass ich ihn mehr oder weniger retten konnte, aber die Form war hinüber, meine Hände voll Sahne, und ich hatte mich in der Zeit vertan, die ich vom I-House nach Tennōji brauche, vertan, was dazu führte, dass meine Gastschwester das Warten auf mich aufgab und etwas angenervt war. Als ob das nicht genug sei, fiel mir der Kuchen (mittlerweile war die Kiste in einen Pulli gewickelt und mit meinem Schal festgezurrt worden, damit der Kuchen ja nicht nochmal den Abgang aus der Schachtel wagt) in der Bahn kurz vor dem Ankunftsbahnhof nochmal hin — diesmal mit Überkopfdrehung, aber wenigstens konnte er nicht aus der Kiste, sodass keine hygienischen Bedenken entstanden. Ich war trotzdem ziemlich mit den Nerven am Ende und begrüßte meine Gastmutter am Bahnhof mit ziemlich unglücklichem Gesichtsausdruck– hab ihr wohl einen ziemlichen Schrecken eingejagt…

Der Kuchen musste zwar aus allen Ecken des Kartons gekratzt werden, war aber lecker, und eine nette Geschichte gibt’s auch ab.

Weiter geht’s hier.

So. Neujahr. Der dreißigste verlief mit Hausaufgaben und Einkäufen relativ unspektakulär, am 31. durfte ich helfen, お節, die traditionellen Neujahrsspeisen, in die dafür vorgesehenen Lackschachteln zu sortieren. In Japan isst man am 1.1. traditionell kalt — am Neujahrstag sollen alle ausruhen können, auch diejenigen, die sonst für’s Kochen verantwortlich wären. Warm ist nur お雑煮, eine Suppe, die mit weißer Miso-Paste zubereitet wird und neben den berühmt-berüchtigten お餅, klebrigen Stampfreisklößen, allerlei enthalten kann — der Name heißt soviel wie „gemischtes Gekochtes“. Bei uns waren Daikon (大根, weißer Riesenrettich), Satoimo (里芋, eine Kartoffelart) und Kohlstückchen drin. Mochi haben dieses Jahr offenbar niemanden das Leben gekostet; zumindest gab’s bislang keine großen Nachrichten dazu…

Aber zurück zum 31. Abends gab es Soba, Buchweizennudeln — die sogenannten „年越しそば“, „Jahresüberquerende soba, und um 19:20 begann der Fernsehmarathon — mit Kōhaku. NHK紅白歌合戦 ist ein Gesangswettbewerb in zwei Mannschaften, rot (紅) und weiß (白), an dem jedes Jahr etliche Stars und Sternchen teilnehmen. Die Bandbreite geht dabei von enka, dem japanischen Gegenstück zum Schlager, über Hip-Hop, Pop und Rock bis Techno, und die Mannschaften sind so aufgeteilt, dass auf beiden Seiten von allem etwas dabei ist. Jede Mannschaft hatte um die dreißig Lieder … lang, aber langweilig wurd’s über die viereinhalb Stunden nicht. Moderiert wurde von NAKAMA Miyuki (für diejenigen unter euch, die GOKUSEN gesehen haben: Yankumi) für Team Rot und NAKAI Masahiro (SMAP) für Team Weiß, gewonnen hat dies Jahr das weiße Team (in dem u.a. Porno Graffiti, EXILE, HIRAI Ken, SMAP und TOKIO mitwirkten, und das sind nur die Namen, an die ich mich erinnere, weil sie vor fünf, sechs Jahren auch schon groß waren…).
Um Mitternacht haben wir uns alle gegenseitig gratuliert, und dann ging’s ziemlich bald ins Bett.

Der 1.1. begann mit mehr Glückwünschen, aber nicht, wie ursprünglich geplant, mit hatsunobori — eigentlich wollte meine Gastmutter, dass wir alle zusammen auf einen Berg kraxeln, um den ersten Sonnenaufgang des Jahres zu betrachten, aber nachdem ein Familienmitglied nach dem anderen absagte, ging sie letztenendes allein mit ihrer jüngsten Schwester — ich fand’s etwas schade, dass sie mich nicht geweckt haben, wäre gern mit, aber der Schlaf war auch nicht verkehrt.

Und dann? Dann wurde zwei Tage lang geschlafen, gegessen, fern gesehen und Familienbesuch empfangen. Am 2.1. sind wir außerdem zum ersten Schreinbesuch des Jahres, 初詣 gegangen. Erwähnte ich das Essen?
Die o-sechi, die Obaachan und ich am Vorabend in die Kästen gestapelt hatten, enthielten u.a. konnyaku, schwarze Bohnen, Lilienwurzeln mit Ei, grüne Erbsen mit Ei (T.-Sonderedition, gehört normalerweise wohl nicht dazu), Heringsrogen, süß gekochten Gelbschwanz, süß gekochten Trockenschellfisch, Riesengarnelen, kuwai, kamaboko, atsuyaki (eine Art dickes Omelett), kombumaki, gomame, Lotuswurzeln, gobō … ich hab bestimmt was vergessen, aber die meisten Leser haben wahrscheinlich ungefähr auf der Höhe von „Lilienwurzeln“ entgeistert aufgegeben. Bleibt eigentlich nur zu sagen, dass nichts dabei war, von dem ich sagen würde „nie nie wieder“ und das Ganze ziemlich gut geschmeckt hat– so, dass es mir auch am Abend des dritten, als die letzten Reste vertilgt wurden, nicht über war. Ich weiß, dass ich letztes Mal nicht so begeistert war, kann mich aber dummerweise auch nur noch dunkel erinnern, was wir damals überhaupt gegessen haben…

Ein Zeichen steigender Angleichung an die japanischen Gewohnheiten: Essen ist Hauptthema. Ein weiteres Zeichen: Zivilisation ist nur da, wo mein Mobiltelefon Empfang hat, ergo hab ich in den Augen vieler Freunde und Kommilitonen Silvester und Neujahr in der Wildnis verbracht … so konnte ich aber erfreut bis entsetzt dem beständigen Summen meines Telefons lauschen, als es, sobald ich wieder in Empfangsweite war, um die dreißig Nachrichten abrief.

Meine Neujahrskarten, die ich fleißig geschrieben haben, liegen immer noch hier herum– ich hoffe, ich schaffe es Freitag zur Post; dann hab ich nämlich „nur noch“ Hausarbeiten vor mir. Die z.T. schon am 14. abgegeben werden müssen. Iiiiek.

In diesem Sinne, ein frohes und ertragreiches Jahr 2009!

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Responses

  1. na, das klingt doch auch nach action (:
    ein frohes neues jahr, billie!

    auf ein gutes überstehen der aufgaben, prüfungen & weniger missgeschicke (das schöne essen ^^).

    ich bin btw dafür dass du uns nach deiner rückkehr mal was vorkochst, ich bin bei all den gerichten furchtbar hungrig & neugierig geworden q;

    liebe grüße aus dem wieder verschneiten tübingen,
    martini

  2. Erstmal: Frohes Neues! ^^ Es klingt, als hättest du einen wirklich schönen Jahreswechsel verbracht, und bei der Erwähnung des ganzen Essens wurde ich ein bisschen neidisch, da auch auf mich die ostasiatische Essensliebe leicht abgefärbt hat 😉 Na ja, immerhin gab’s heute zenzai zum Frühstück… mjam!

    Toi toi toi für die Hausarbeiten! Ich fühle mit dir und mache mich in diesem Sinne mal so langsam wieder an den Essay, der bis heute Abend abgegeben sein will…

  3. Hausarbeiten sind gemein. Aber die kriegst du auch noch klein!
    Und ich schließe mich tini an – bin schon gespannt aufs japanische Essen, wenn du wiederkommst, ich kenn mich damit ja bisher kein Stück aus. 🙂

  4. Frohes Neues Jahr liebe Bille! Freut mich zu hören, dass Du mit „Familienanschluß“ Neujahr feiern konntest!
    Die Kuchengeschichte klingt so richtig typisch nach Dir 😉
    Ich schließe mich quasi den anderen an: Wenn Du wieder in Deutschland bist müssen wir mal zusammen Japanisch kochen! Ich glaub ich weiß schon, was ich morgen kochen werden *g*
    Liebe Grüße!

  5. うわぁぁぁぁぁ!!!!
    よい年越しだったね!

  6. あけましておめでとう!(≧∀≦)ノ
    ビりィにとても良い年になりますように!

    Hausarbeitを書いていたせいで、今日寝ずに大学に行って、とても疲れていたところに、ビリィが送ってくれたプレゼントが届いたよ!ありがとう!!すごく嬉しいよ!

    頑張ってSkypeを使うから、いつか電話しようねヽ(*´∀`)ノ
    今年もよろしくね!

    PS. Valyaも元気しているかな? Catharinaは少し心配しているらしい。(もちろん自分でそういわないけどね。ww)

  7. @martini:
    Als einer meiner wenigen Omnivoren in Tübingen kannst du dir sicher sein, früher oder später Opfer eines der Gerichte zu werden, die ich meinen Vegetariern und Krüschlingen nicht andrehen kanna … 😉 Danke für die lieben Wünsche, und entschuldige, dass die Antwort so spät kommt! 🙂

    @ Ines: Ich hoffe, du bist gut vorangekommen?
    Und: ESSEN. Ich bin grad erkältet und sehn mich unglaublich nach Braunbrot mit Käse, oder Brei (Grieß oder Hafer) mit Honig — Okayu kommt dagegen einfach nicht an…

    @Antje:
    Wie gesagt, vegetarierfreundliche Küche gibt’s doch mehr, als ich befürchtet hatte. 😀 Von daher: sicher, und gern! ♥

    @Nin: Danke, und: definitiv! Ich werd mich, sobald die Erkältung in die Knie gezwungen ist, intensiv mit deiner Einkaufsliste befassen, sehen wir mal, was sich da machen lässt … 😉

    @Susanne:
    そーやんねん!☆ めっちゃめっちゃよかった〜★ 日本のお正月やっぱ好っきやなぁ。w 寝正月万歳〜w

    @稀:
    プレゼントが無事に届いてよかった!w 使えるかどうか解れへんけど、やっぱレアらしいから、送らなアカンなぁって思って・・・
    SKYPEできたらうれしいねん!がんばろう〜w
    Catharinaの件やけど、多分そのうち、Valyaからなんとか届いてくる・・・かも。w


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