Verfasst von: Billie | Di, 23 September, 2008

Orientation, Einstufungstest, Leute

So langsam stellt sich eine Art Alltag ein — von richtigem Alltag kann noch nicht die Rede sein, da die Uni noch nicht begonnen hat, aber zumindest ist nicht mehr jeder Tag voll von „Ach richtig, da war noch …“

Klar ist noch lange nicht alles erledigt, aber so langsam wird’s. Morgen oder übermorgen eröffne ich ein Konto, vermutlich bei der Kyōto Chūō Kinko, die uns empfohlen wurde. Dann kann ich nämlich endlich auch mein JASSO in Anspruch nehmen … dazu vielleicht an anderer Stelle nochmal mehr, so ganz einfach ist nämlich auch das leider nicht.

Also, was mache ich hier eigentlich?

Einkaufen — ich habe immer noch nicht alles, was zum täglichen Leben nötig ist, und versuche, stückchenweise die Dinge zusammen zu bekommen, ohne mich gleich in riesige Unkosten zu stürzen. Werde eventuell häufiger mal in der Mensa essen; das Essen dort ist günstig und ziemlich gut, mit kostenloser Nährwertanalyse auf dem Bon.

Leute … im Wohnheim sind die meisten wirklich nett, es wird viel gefeiert und ausgegangen (wobei ich aufpassen muss, das nicht zur Gewohnheit werden zu lassen, sonst wird’s auf die Dauer eben doch teuer) oder eben in Zimmern gefeiert, bis Buddies kommen und schimpfen. Die Atmosphäre ist einfach schön locker und entspannt, und die Internationalität der Bewohner sorgt dafür, dass immer irgendein Gesprächsstoff besteht, und wenn’s nur gegenseitiges „Was sagt ihr dazu? Bei uns heißt das …!“ ist.

Freitag waren die Einstufungprüfungen — Hörverständnis ging so, Leseversändnis hab ich als erste abgegeben, und wurde dann auch prompt (als einziger Nicht-Asiat abgesehen von Marty aus den USA, der die ersten Tests dank bestandenem JLPT Lvl 1 nicht machen musste) zum Test fürs Seiki-Level, bei dem ich an regulären Vorlesungen teilnehmen kann, eingeladen. Das lief so la la, aber offenbar gut genug, dass sie’s mir im Interview (bzw der mündlichen Prüfung) am Montag nicht abgesprochen haben. Genaue Ergebnisse erfahr ich am Donnerstag.

Morgen ist außerdem Willkommens- / Immatrikulationszeremonie, und irgendein kluger Kopf hat sich einfallen lassen, dass wir erst in „semi-casual“, also an europäischen Verhältnissen gemessen schicker Garderobe dort aufkreuzen sollen und anschließend ins Erdbebenzentrum, um zu lernen, wie man sich bei selbigen verhält … ohne, dass vorgesehen wäre, dass man sich zwischendurch umziehen kann. Kein Kommentar.

Gestern abend hatte ich meine erste unangenehme Begegnung in Japan — eine Gruppe von uns ATS stand vor einem „Kombini“, unterhielt sich, lachte und machte den Bürgersteig etwas schwer passabel. Ein älterer, angetrunkener Mann fühlte sich wohl davon angefressen und drängelte sich unter lautem 「おい、邪魔、邪魔!」(sinngemäß etwa „Weg da weg da, ihr steht im Weg!“) durch, was uns alle etwas irritierte, aber auf dem Rückweg, als der Weg wirklich mehr oder weniger frei war, meinte er dann, das in erhöhter Lautstärke und etwas aggressiverer Wortwahl wiederholen zu müssen … worauf mir sinngemäß „Kein Grund, so grob zu werden!“ rausrutschte. Laut. Er, verblüfft bis verärgert, dass in unserer Gruppe tatsächlich irgendjemand was erwiederte: „Das is ’n Weg! Ihr blockiert den!“, ich, mit zitternden Knien und sowohl bestimmter als auch höflicher, als ich’s mir zugetraut hätte: „Das ist uns bewusst, uns wie Sie sehen, ist dort reichlich Platz, also bitte.“

Woraufhin er dann abzog, aber mir war überhaupt nicht mehr wohl. Die anderen fanden, ich hätt’s richtig gemacht, aber ich machte mich mit Marion auf den Rückweg. Ich mag Auseinandersetzungen nicht, zum Teufel mit meiner großen Klappe.
Wieder im Wohnheim sprach mich Feliks an — offenbar sah man mir an, dass ich nicht so ganz auf dem Damm war. Sein Kommentar zu der Geschichte war „Don’t worry about it. He’s a dirty drunk old Japanese salaryman, they’re not human.“, was mich zumindest zum Lachen brachte, auch wenn ich nicht ganz zustimmen konnte.
Später saßen Willie (US), Lulu (VCR/NZ), Joyce (HK/CND), Hayato (GB/J), Bryce (US), Yee Chea (MAL), Eric (US), Kalle (S), Morgan (CND) und ich in Feliks‘ (NZ) extrem gut ausgestatteten Zimmer, tranken oder auch nicht und redeten. War ein netter Abschluss für den Abend, und mir ging’s danach auch besser.

Heute ist wegen Herbstanfang ein Feiertag (heißt: Banken etc haben zu, Geschäfte geöffnet), heute abend: treffen mit Freunden, dann eventuell mit einem Riesenhaufen SKP / JWP-Teilnehmern zum Izakaya und anschließend Club / Tanzen, wobei ich letzteres wohl lassen werde; Clubs sind nicht wirklich mein Ding, und ein bisschen aufs Kleingeld achten sollte ich auch.

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Responses

  1. Zum Tanzen werden wir zwei (plus wer-sonst-Lust-hat-und-mitkommen-mag/kann) irgendwann noch in den Headbanger’s Ballroom gehen – muss sein, einmal schlepp ich dich mit. 😛 Aber ansonsten versteh ichs ja gut, dass du da keine Lust drauf hast…
    Ich freu mich wirklich, dass du da so nette Leute hast. 🙂
    Weiter so! *lach* 😉

  2. *lacht* Danke, danke! Und ich denke, solange die Laune stimmt und wir nicht grad fünfzehn Stunden Bahnfahrt hinter uns haben, bin ich dem HB auch alles andere als abgeneigt. 😉 *wuschel*


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