Verfasst von: Billie | Mi, 17 September, 2008

Die ersten Tage in Kyōto

Ich verbringe im Moment unglaublich wenig Zeit vor dem PC, wobei sich das sicher wieder ändert, sobald ich eigentlich Hausaufgaben erledigen sollte oder alle Bände der für mich interessanten Serien in der kleinen Book-Off-Filiale hier um die Ecke gelesen habe … aber zu den ersten Tagen hier.

Am Morgen des 9.9. habe ich Osaka hinter mir gelassen und mich auf den Weg nach Kyōto gemacht. Ist nicht weit, ist auch nicht weiter anstrengend, aber ich habe mich zwischen der Endstation (Straßenbahn! Ich wusste gar nicht, dass es sowas in Japan gibt, und suspekt sind mir die Dinger nach wie vor …) und dem Wohnheim erstmal gründlich verlaufen. Dreimal Fragen, und dann kam ich aber an — als erste der neuen ATS. Das mit dem Verlaufen sollte sich übrigens noch drei, viermal wiederholen, so langsam kenn ich mich aber aus … hoffe ich.

Erste Eindrücke aus dem Wohnheim: unerwartet groß und sauber (Ausnahme: Küchen, die sind sehr klein und nur an Wohnheimstandards gemessen sauber), viele viele viele Regeln — beim Verlassen des Hauses Namensschild auf Rot drehen, beim Wiederkommen auf Weiß zurück; nach 21h Ruhe im Haus, Besuch nur bis 23h (es sei denn, der Besuch übernachtet, dann muss er aber pro Nacht 1000¥ zahlen), Besuch muss sich in eine Liste eintragen, bei mehreren Leuten im Zimmer die Fenster schließen, weil sich sonst die Nachbarn über den Lärm beschweren, usw usf.
Ich war erstmal ziemlich erschlagen und wollte nur zurück zu Ayaka oder ihrer Familie, aber das legte sich dann auch. Ich konnte gleich am ersten Tag ein Fahrrad, einen Kühlschrank und ein Kotatsu, das allerdings kein Stromkabel vorweisen kann und daher vorerst nur als Tisch zu gebrauchen ist, erstehen — für den Spottpreis von insgesamt 8500¥.
Wasserkocher/Kühler, Schreibtisch, Stuhl, Bett, Lampe, Telefon für eingehende Anrufe, Klimaanlage und ein riesiger Wandschrank sind im Zimmer schon vorhanden. Meins war außerdem mit einer Unmenge an Kleiderbügeln ausgestattet … hat dafür aber nur drei Steckdosen. Mehrfachverlängerungssteckdosen sind meine besten Freunde, ich brauche noch mehr davon.

Am Abend bin ich dann nach Tōkyō gefahren, aber das bekommt noch einen eigenen Eintrag. Hoffe ich. Wie gesagt, sobald ich eigentlich was anderes tun sollte … lustig war’s aber, soviel kann ich grade schon sagen.

Zurück aus Tōkyō waren dann auf einmal sehr viel mehr Leute im I-House, und die „Buddies“, drei japanische Studenten, die im I-House wohnen und den Austauschstudis beim Eingewöhnen etc helfen und den Herbergsvater, Herrn YZ, beim Beaufsichtigen unterstützen sollen, hatten alle Hände voll zu tun.
Ich habe mich mit ein paar Leuten angefreundet — wegen Namen muss ich nochmal fragen, ob ich die hier reinstellen darf, aber es ist eine bunte Mischung aus einer chinesisch-stämmigen Neuseeländerin, einer Norwegerin, mehreren Amerikanern, einer Kanadierin, zwei Chinesinnen und noch ein paar Leuten, deren Herkunftsland ich grade nicht genau zuordnen kann, Asche auf mein Haupt.

[Edit 17:30]Whoops, mir war nicht bewusst, wie lang dieser Eintrag geworden ist … wer noch weiterlesen kann/mag, klicke bitte auf

Überhaupt ist das I-House ziemlich Asien-lastig — wir haben Leute aus China, Taiwan, Südkorea, Malaysia, den Philippinen (ist das noch Asien oder schon Ozeanien?) …
Verspricht auf jeden Fall, lustig zu werden.

Die Buddy-gesteuerten Aktivitäten sind nicht so wahnsinnig meins, und ich kann mir dank Arbeit an ähnlichen Stellen in Deutschland auch Recht gut vorstellen, wie sie über die ATS denken. Ich hoffe wirklich, ins Seiki-Level der Kurse eingestuft zu werden, was dann vielleicht auch zu Kontakt zu „normalen“ Japanern, also solchen, die nicht unglaublich ATS-interessiert sind, sondern auch ausländische Studenten als Person wahrnehmen (ja, das gibt’s), führt. Naja. Freitag und Montag sind die Einstufungsprüfungen, dann entscheidet sich das.

Ich hab mir für 1000¥ dann doch noch einen Fernseher gekauft — es ist auf jeden Fall nette Nebenherberieselung, und Nachrichten würd ich dann doch ganz gern hin und wieder zu sehen bekommen … Viel Interessantes läuft auf den paar Kanälen, die ich empfangen kann, nicht, aber immerhin.

Ah, das ist vielleicht der Zeitpunkt, an dem ich sagen sollte, dass die Gegenstände alle gebraucht erstanden wurden.

Meine „Alien Registration Card“ ist beantragt; sobald ich die habe, kann ich ein Bankkonto eröffnen, JASSO bekommen, einen Mobiltelefonvertrag abschließen … etc. Montag oder Mittwoch soll sie da sein, ich bin gespannt.

Bei der Gelegenheit haben wir gestern auch noch weitere SKP-Buddies (SKP-Buddies ≠ I-House-Buddies, obwohl es Leute gibt, die beides parallel machen) getroffen; zwei von ihnen haben länger in Tondabayashi gelebt, wo ich damals zur Schule gegangen bin. Der Kansai ist eben doch nciht so groß, wie man denkt…

Was sonst?
Am Sonntag war ich beim Kulturfest bzw. Schulfest / Tag der offenen Tür der Tonko (genaugenommen Tonkō, aber die Abkürzung kriegt aus irgendeinem Grund nie einen Strich, ein „u“ oder ein „h“ zur Dehnung). Es war irgendwie ein Schock, aber gleichzeitig unglaublich beruhigend — die gleiche Uniform, die an diesem Tag nur sehr wenige Leute trugen, mehr bekannte Lehrergesichter, als ich zu hoffen gewagt hatte, und sogar drei meiner alten Stufenkameraden. Die ca. zweieinhalbstündige Fahrt hat sich definitiv gelohnt, ich würde gern wieder dort hin fahren. Hoffentlich klappt das mal.

Und was das angeht — ich merke, dass mein Japanisch in der Zeit, in der ich in Deutschland gelernt habe, tatsächlich besser geworden ist. Das ist ein seltsames Gefühl, von alten Lehrern „Sagen Sie mal, so gut war Ihr Japanisch doch damals nicht?!“ gesagt zu bekommen. Ich geb mir weiterhin Mühe.

Ein Letztes noch — wenn ihr Leser Fragen habt, fragt! Es dauert vielleicht, aber ich beantworte sie gern, soweit es mir möglich ist.

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Responses

  1. Fernseher! Na hoffentlich gewöhnst du dich nicht zu sehr an die Nebenherberieselung, ich hab letzte Woche bei Bine nämlich nochmal gemerkt, wie sehr mich das stört. 😉 Aber Nachrichten sind schon eine gute Sache, hab ich bei meinen Eltern die Tage auch noch festgestellt…

  2. du hast dich allem anschein nach auch prima eingelebt, für den moment. schön zu hören (:

    fernseher sind böse zeitfresser. böser als all die tollen serien, die man auch so schauen kann ^^

    ich meide nachrichten hier in deutschland im tv eigentlich. find ich keine angenehme nebenbeiberieselung. entweder regt man sich über dumme menschen auf oder wird depri/ traut sich nicht mehrvor die haustür.

    aber dem sprache lernen tuts sicherlich nichts schlechtes (;

    fühl dich gedrückt & pass auf dich auf,
    tini

  3. 🙂
    Ach ja, da Hiro so übermäßig beschäftig gewesen ist, habe ich ihm wegen des Pakets nicht bescheid gesagt.
    Soll ich jetzt bescheid sagen? Kleiderbügel wirst du anscheinend ja nimmer brauchen…?

  4. @Antje: *lacht* Da brauchst du dir keine Gedanken machen, so sehr „nebenher“ läuft das Ding nicht — abgesehen davon ist deutsches Fernsehen sowieso noch schlechter / schlimmer / weniger anguckbar als japanisches (hier kann man sich die Koch- und Musikserien zumindest antun …), und der einzige Grund für mich, in Dtl einen zu kaufen, wäre, eine Wii / PS2 / PS3 dran anzuschließen. 😀 *wuschel*

    @martini:
    Wie oben schon gesagt, sooo wahnsinnig viele tolle Serien laufen hier nicht — mir fällt immer wieder positiv aus, wie viel man in Deutschland schon zu sehen kriegt, wenn man kein Kabel hat, und wie viel mehr für verhältnismäßig wenig Geld mit — ich hab hier so fünf, sechs Kanäle, und es laufen hauptsächlich Koch- und Nachrichtensendungen, Teleshopping, Wiederholungen von Fernsehserien aus den achzigern und neunzigern … *grinst* Hilft aber schon.

    @Susanne: Das wäre superlieb! Und Kleiderbügel hat man nie genug, von daher muss er die nicht extra auspacken, sollten sie schon im Paket sein. 😉 Wichtig wäre noch, dass meine Zimmernummer (310) mit auf’s Paket müsste … vielen, VIELEN Dank nochmal! 😀


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