Verfasst von: Billie | Mo, 8 September, 2008

Die ersten Tage – II

Sonntag bis Dienstag bleibe ich bei Ayaka.
Gleich Sonntag morgens war ich mit Ayaka auf einem Flohmarkt am CosmoSquare, einem Gebiet auf einer künstlich aufgeschütteten Insel in der Bucht von Ōsaka. Ich habe Freundinnen von ihr kennengelernt, und alles war ziemlich lustig, bis es plötzlich zu blitzen und donnern und regnen anfing — ich habe noch nie einen so großen Platz so schnell leer werden sehen. Der Stand neben dem von Ayaka und ihren Freundinnen hatte ein Partyzelt, dass sie unter Gelächter und vielen „Kommen Sie, stellen Sie sich unter! Nur 200Y pro Person!“ absenkten, und riefen uns rein — „Kommt rein, kommt rein, von euch nehmen wir dafür auch kein Geld.“
Als der Regen nachließ, haben sie uns und unseren Krempel sogar noch bis zum Bahnhof gefahren. Supernette Leute.

Danach haben wir uns in einen Starbucks gehockt, wo wir letztenendes über fünf Stunden hängen geblieben sind — bei nur einem Kaffee pro Nase. Ein Amerikaner, der an der Kansai Gaidai (Kansai-Fremdsprachenuniversität) unterrichtet, gesellte sich irgendwann dazu, als wir die Harley bestaunten, die hinter uns geparkt war.
Abends gab’s großartiges Fleisch, Reis und gute Gesellschaft; Ayakas Freund hat gekocht, ihre beste Freundin von der Uni war noch zu Besuch, und es gesellig und lustig.

Ein langer Tag, ein guter Tag. Bis auf den minimalen Sonnenbrand (Ayakas ist VIEL schlimmer) und die gefühlten hundert Mückenstiche, die ich mir zugezogen hab. Aber selbst damit: gerne, gerne wieder.

Heute musste Ayaka arbeiten, woraufhin ihr Freund anbot, was mit mir zu unternehmen — wär nicht nötig gewesen, war aber supernett. Wir waren auf dem Campus der Kansai Gaidai, an der Ayaka studiert, und ich bin prompt Juliane und Henrik begegnet, die dort ihr Auslandsjahr verbringen. Hoffentlich schaffen wir’s, irgendwann was zusammen zu unternehmen — Kyōto und Ōsaka sind ja nicht weit auseinander.
Danach ging’s weiter — BookOff; eine Kette, die „gebrauchte“ Bücher, Comics, Videospiele … verkauft. Auch wenn das Zeug gebraucht ist, ist es am ehesten vergleichbar mit den „gebraucht – wie neu“ oder „gebraucht – sehr gut“-Sachen, die man bei Amazon teilweise kriegt, und es kostet größtenteils weniger als die Hälfte des Neupreises.

Die Kuzuha Mall war dann der Abschluss, vor allem deshalb, weil ich Schussel zwar meine Geldkarten mitgenommen habe, aber die falschen PINs.
Als ich das letzte Mal nach Japan fuhr, war ich minderjährig. Deswegen bekam meine Mutter Zweitkaten für die Konten. Meine Karten waren noch nicht da, als ich abreisen sollte, ihre schon, weshalb ich ihre mitnahm und mir logischerweise auch ihre PINs merkte.
Diesmal hab ich meine eigenen Karten mit … aber die PINs, die ich im Kopf hab, gehören zu den anderen Karten. Dumm gelaufen. Ich hoffe, dass ich das schnell in den Griff bekomme.

Kleinigkeiten:

  • japanische Schmetterlinge sind immer noch riesig.
  • Linksverkehr gilt nicht für japanische Radfahrer
  • oder Motorradfahrer ohne jemanden aufm Sozius
  • auf einem Motorrad mitfahren macht Spaß, und es klappt auch, wenn der Mitfahrer geschätzte anderthalb Mal so schwer ist wie der Fahrer
  • Fremdsprachen halbwegs sprechen zu können öffnet einem eine Million Türen

Heute abend: Karaoke, falls Ayaka und Kacchan nicht zu müde sind. Und morgen geht’s erst ins Wohnheim, dann nach Tōkyō. Internet hab ich vermutlich in einer Woche wieder, eventuell früher, sollte ich ein Internetcafé ausfindig machen.

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Responses

  1. Wah, Kansai Gaidai, Kuzuha Mall, natsukashii…!! Weil ich jetzt natürlich neugierig bin: Wie hieß denn der Dozent von der Gaidai, weißt du das? ^^

    Viel Spaß in Tokyo!

  2. Hören sich echt gut an, deine ersten Tage! Ich hoffe, du amüsierst dich gerade gut beim Karaoke und kannst den Einzug morgen reinbungslos hinter dich bringen. 🙂
    Dicke Umarmung,
    deine Antje

  3. Boah, ich werd richtig neidisch… ich sitze leider immernoch über meinen Hausarbeiten und dem Didaktikzeug für die Schule (die fängt für mich nächsten Montag an) und hab eigentlich so gar keine richtige Lust auf gar nichts… blöd das.
    Vivi hat nen total chaotischen Stundenplan (3 mal Mittagschule, ein Hauptfach nur nachmittags, donnerstags erst zur 5. und dann am Nachmittag, Mittwochs dafür 10 Stunden) – und das ist noch ein guter. irgendwie schon mist, wenn man jedes jahr einmal die abiverordnungen ändert ^^ wie gut, dass wir uns damit nicht mehr rumschlagen müssen…

  4. Hehe… viel Spaß beim Fahrradfahren in Kyôto! (Ich schätze mal ganz stark, dass auch Du Dir ein Fahrrad zulegen wirst.) Ob Links- oder Rechtsverkehr – das entscheidet die Situation (und es ist lustig, Japaner zum Rechtsverkehr zu zwingen 😀 ). Ich habe übrigens Junko zufällig in der Stadt getroffen, sie hat schon von Dir berichtet. *lol* Viel Spaß in Tôkyô! 🙂

  5. Wir sehen uns doch sicherlich mal in Kyoto, oder? Hab im Studi meine Handynr und Mail stehen :).

  6. @Alle: Ihr seid toll und ich hoffe, dass ihr das wisst.

    @Ines: Der Dozent hieß/ heißt Mark, ist US-Amerikanischer Staatsbürger und seit Jahrenden in Japan und an der KSGD. 🙂 Spaß in Tokyo hatte ich, danke! 😀

    @Antje: Zum Karaoke bin ich mit Ayaka und K. dann doch nicht mehr gekommen, aber lustig war’s trotzdem. 🙂 Drück dich zurück!

    @Marie: Kein Grund zum Neidischwerden, ich fang bestimmt schon bald genug an zu jammern … 😉 Aber mit dem Abi geb ich dir Recht, was ’n Mist!

    @Caro: AchduSch… *lacht* Berichtet? Hoffentlich nur Gutes? Ich habe, als sie die Bösen Achtzehn erwähnte, völlig unschuldig und unwissend 😛 Partei für die Leute ergriffen. *hust* Sie macht den Eindruck, als sei sie etwas mit Vorsicht zu genießen.
    Wie lange bist du nochmal hier? Bis zum 25.? Wenn du am WE Zeit hast, würd ich mich total freuen, wenn wir uns treffen könnten (und du mir ggf irgendwas von deinem alten Kram überlassen willst *lacht*). Ich schick dir per FB meine Telefonnummer, würd mich freuen, von dir zu hören. 🙂

    @Nilyveth: Aaaber logo. Du bist noch bis März / April da, oder? Die Dōshisha ist für Tübinger ja gewissermaßen eh Pflichtprogramm, Rivalenuni hin oder her 😉 Habe deine # und Mailadresse abgespeichert, melde mich die Tage (ich brauche Jahrhunderte, um ’ne kurze Mail zu tippen; es ist echt frustrierend).


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