Schon wieder fast ein Monat seit dem letzten Beitrag … was auch heißt, dass ich viel um die Ohren hatte, was natürlich gut ist.
Das Unschöne zuerst, dann ein halbchronologisch-unvollständiger Bericht über die vergangenen Wochen–
Ich bekomme den einzigen Kurs, den ich wirklich, wirklich spannend finde, nicht angerechnet. Weil ich hier nicht als „Postgraduate“, sonder als „Undergrad“ eingeschrieben bin. Danke, Uni.
Im Prinzip ist’s egal, weil ich ohnehin drei Übungen angerechnet bekomme, egal, was ich belege, aber ich möcht doch schon etwas tun, was meinen Studieninteressen förderlich ist …
Liste von Dingen, die kurios bis ärgerlich sind:
- ich zahle bei meiner Bank 105¥ Bearbeitungsgebühr, wenn ich außerhalb der Geschäftszeiten am bankeigenen Bankautomaten Geld abheben will.
- ich bin kein US-Bürger, war nie einer, werde nie einer sein. Ja, ich kann Englisch. Nein, ich gebe keine kostenlosen Privatstunden, nur, weil wir uns zwei Minuten unterhalten haben.
- das Essen ist zu gut und fängt an, wieder mal Spuren zu hinterlassen …
- Kakerlaken = widerlich
- Fahrräder parken ist so gut wie überall verboten, aber (gebührenpflichtige) Parkplätze gibt’s nur wenige.
- das erste, was am Kühlschrank den Geist aufgibt, ist das Gefrierfach
der Euro-Yen-Wechselkurs ich will’s nicht beschreien; momentan gefallen mir die Tendenzen wieder ganz gut.
Soweit die Liste der Dinge, die mir spontan einfallen. Andere Länder …
So. Was hab ich die Wochen so angestellt?
Ich war in Ōtsu, Ōsaka, Kōbe, Uji und Nara, habe in einem japanischen Geschäft Klamotten gefunden, die mir passen, einen Futon für mein Kotatsu gekauft, mich in Möbel verliebt, mich ungezählte Male verlaufen und verfahren … aber der Reihe nach, so gut es geht.
大津・Ōtsu
In Ōtsu findet seit hunderten von Jahren im Herbst ein Fest mit finanzieller Bedeutung statt– es entstand offenbar ursprünglich mit dem Hintergedanken, den Adel aus der kaiserlichen Nachbarstadt Kyōto nach Ōtsu zu locken … ich bin mit Taiki, Keiken, Seisei, Ō-chan, Miyabi, Nee-san (ネーソホ, der sich mit 「兄さんですけどネエさんです」vorstellte, was sich nicht wirklich übersetzen lässt) und ein paar anderen hingefahren, und lustig war’s. Trotz der kleinen scherzhaften Kappelei, die sich Seisei und Ō-chan in der Bahn leisteten.
大阪・Ōsaka
Zweimal: am 18.10. war ich erst in Ōsaka einkaufen (nun ja, auskundschaften, was es überhaupt an Kleidung gibt, die mir passen könnte — der Rest muss eben aus Deutschland geschickt werden …) und bin dann zu meiner Gastfamilie gefahren, am letzten Wochenende habe ich erst mit Gastschwester Arisa, dem dänischen Gastschüler der Familie und dessen schwedischer ATS-Schulkameradin Kyōto unsicher gemacht (erwähnenswert besonders die drei Stunden bei Starbucks, in denen sich I-House-Kumpel Willie zu uns gesellte und wir wild durcheinander auf Japanisch und Englisch kommunizierten — Arisas Englisch ist ‘n Stück besser als das Japanisch der beiden Jungs, aber in dem Tempo, in dem die Konversation lief, war’s wohl doch etwas schwierig), bin dann mit ihnen zurück nach Ōsaka gefahren und habe dort übernachtet, um am Sonntag beim 餅搗き zu helfen. Naja, genaugenommen habe ich beim Mochi-Formen und -Füllen geholfen, das Stampfen haben die Herren übernommen … aber es war ein Erlebnis. Allein schon, weil wir am zweiten November ohne Pulli draußen zugange waren, ohne zu frieren.
神戸・Kōbe
Am 19. (wie sich herausstellte nicht nur der Geburtstag meines Vaters, sondern auch der meines Gastvaters…) nahm Gastmuttern mich mit nach Kōbe, wo ein Basar zugunsten notleidender Kinder in Kriegs- und Krisengebieten stattfand. War interessant. Die Stadt hat Flair, und der Tag war einfach großartig für die Veranstaltung geeignet– strahlender Sonnenschein, leichter Wind. Ich habe unter anderem einen Sandwichtoaster (…) und eine Tasche mit zurück ins Wohnheim genommen, aber am schönsten war eigentlich, dass „unterwegs mit Gastmutter“ so viel von einer Familienunternehmung hatte.
宇治・Uji
Uji ist nicht nur die Stadt für Maccha, den pulverisierten Grüntee, der bei der japanischen Teezeremonie verwendet wird, sondern auch Schauplatz der letzten Kapitel der 源氏物語, der Geschichte vom Prinzen Genji, die dieses Jahr ihr tausendjähriges Jubiläum feiert. TISA, eine Organisation der Rits, hatte sieben verschiedene Touren in und um Kyōto zum Selbstkostenpreis angeboten, und ich wollte mir Uji nicht entgehen lassen. Also machte ich mich am Morgen des 25.10. mit lediglich fünf Stunden Schlaf auf den Weg zum Bahnhof Kyōto, von dem aus die Unternehmung starten würde.
Die Tour war überraschend nett– ein Besuch im Genji-Museum, das einige Originaldokumente ausstellte und eine unglaublich schlechte Verfilmung der Uji-Kapitel zeigte; Mittagessen am Yodogawa, Besuch im Byōdōin, Teezeremonie … ich habe unglaublich viel Geld in Uji gelassen. Ein T-Shirt, mehrere Postkarten, zwei Motiv-Klarsichthüllen — wenigstens hat alles davon praktischen Nutzen …
Photos vom Ausflug gibt es dank „Campus Cameraman“ Rinrin übrigens hier
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奈良・Nara
Ein weiterer Städtebesuch ohne jeglichen Tourismus war mein Besuch bei Anne in Nara. Sie ist grad erst angekommen und wird hier, wenn alles nach Plan läuft, ein Jahr lang ein Praktikum machen — ich hab sie besucht und versucht, ein bisschen beim Orientieren / Einrichten zu helfen. Wir hatten es am Ende des Tages dann auch geschafft, sie um Grundnahrungsmittel, einen Kochtopf und einiges Zubehör zu bereichern sowie ihre Waschmaschine und ihren Herd zum laufen zu bringen. Nara ist doch was anderes als Kyōto — wo einem hier Mönche in voller Kluft auf dem Fahrrad überholen oder man sie schweigend am Wegrand stehen sieht, laufen in Nara mit lautem Geklapper und Gesang Mitglieder der Tenri-Sekte an einem vorbei …
Ich werde mir definitiv nochmal Zeit nehmen, einen ruhigen Tag mit Touriaktivitäten vor Ort zu verbringen.
Was sonst? Am Freitag war Hallow’een, ich war grün (Facebook hat Photos, die ich bei Gelegenheit nochmal umstellen werde — ich weiß, ich hab seit längerem Photos versprochen; irgendwann komm ich sicher noch dazu) und hatte erstaunlich viel Spaß.
Habe heute meine erste Stunde ausfallen lassen, weil ich weder motiviert noch vorbereitet war (und der Unterricht ohnehin nur aus durcharbeiten der Arbeitblätter besteht), werde zur dritten hingehen und danach zur Arbeit. Bin gespannt, wie das wird — Englischunterricht wird eine Herausforderung sein, weil ich immer wieder merke, wie sehr ich mich dazu zwingen muss, mit Japanern Englisch zu sprechen. Aber das ist in diesem Fall mein Job. Wenn ich mir das oft genug sage, wird’s sicher. Drückt mir die Daumen!